URAUFFÜHRUNG

Humor als Waffe

Die junge afrodeutsche Theatermacherin Thandi Sebe blickt aus Schwarzer ­Perspektive auf Berlin – und mit subversivem Witz. Jetzt kommt ihr neues Stück „Call Me Queen“ im Ballhaus Naunynstraße zur Premiere

Großes Talent: Thandi Sebe (li.) mit ihrer Bühnenpartnerin Victoire Laly – Foto: Roberta Sant’Anna

Text: Friedhelm Teicke

Im März 2016, als die AfD in drei Landtagswahlen überraschend gut abschnitt und die fremdenfeindliche Pegida sich erneut der berühmten Parole der DDR-Opposi­tion von 1989 bemächtigte, änderte Thandi Sebe ihr Profil­bild auf Face­book. Das Porträt zeigt die ­afrodeutsche Theatermacherin schön, stolz und selbstbewusst in bauchnabelfreiem Outfit. Auf ihren Bauch hat sie „Wir sind das Volk“ geschrieben. Ihr Fotokommentar: „Was die können, können wir auch! Ich lass mir doch nicht mein schönes Deutschland von irgendwelchen dahergelaufenen Rechten wegnehmen.“

Dieser ebenso selbstbewusste wie witzige Umgang mit Ärgernissen zeichnete auch das Debüt der 28-jährigen Deutsch-Südafrikanerin aus. Ihr Stück „Jung, giftig und Schwarz“, das sie gemeinsam mit Amina Eisner geschrieben und 2015 im Ballhaus Naunynstraße inszeniert und gespielt hat, versammelt stereotype Situa­tionen, mit denen Schwarze Frauen im Alltag immer wieder aufs Neue konfrontiert werden.

Das reicht von neugierigem Anfassen krausgewellter Haare bis zum versteckten Rassismus weißer Männer, die meinen, nicht rassistisch zu sein, weil sie ja mit Schwarzen ­Frauen schlafen. All das wird mit sehr viel Humor und Sinn für Situationskomik erzählt und aufgespießt, auch dadurch dass die beiden afrodeutschen Protagonistinnen in Film­szenen selbst die Rollen der übergriffigen Mainstreamdeutschen übernehmen. Das Problem wird so mit einer spaßigen Leichtigkeit verhandelt und doch kriegt das Publikum deutlich mit, wie nervig und belastend das ist. Humor als Waffe.

Subversiv und selbstbewusst: Thandi Sebe – Foto: Tim Foresta

Thandi Sebe ist in Berlin geboren und in Kapstadt aufgewachsen. Ihr Vater Tsha­mano Sebe ist in Südafrika ein sehr bekannter Schauspieler. „Ich bin mit Theater großgeworden“, sagt Thandi Sebe, die nach dem Abi­tur allerdings dann doch an keine Schauspielschule ging, sondern in ihre Geburtsstadt zog, um an der Humboldt-Uni Anglistik/Amerikanistik und Regionalstu­dien/Afrikawissenschaften zu studieren.„In Südafrika bin ich immer nur die Tochter von ­Tshamano, davon musste ich mich erst mal emanzipieren.“ Doch eigentlich wollte sie immer Stücke schreiben und inszenieren.

So kam sie ans Ballhaus Naunynstraße – zunächst als Ausstattungshospitantin. „Ich habe mich nicht getraut, das zu machen, was ich eigentlich machen will. Ich erarbeite mir dieses Selbstbewusstsein erst jetzt so langsam, wo ich auf die 30 zugehe“, sagt sie lachend. Nach dem Bachelor bekam Sebe eine Regiehospitanz am Ballhaus, wo der damaligen Hausdramaturgin Nora Haakh ihr szenisches Talent auffiel und sie ihr zusammen mit Amina Eisner die Entwicklung eines eigenen Stücks anbot. Das war „Jung, giftig und Schwarz“. Ein Überraschungserfolg. „Es gab aber nicht genug Geld für die Produktion, weswegen wir alles machen mussten, schreiben, inszenieren, spielen – das war ins kalte Wasser geworfen.“

Jetzt kommt Sebes zweite Produktion „Call Me Queen“ zur Premiere. Ein Großstadtstück um zwei Straßenmusikerinnen auf der Suche nach Anerkennung.

„Die eine hat die utopische Idee, ihr Leben radikal zu ändern – indem sie Königin wird: die Queen of England, die einzige monarchische Referenz, die sie kennt“, erklärt Sebe, die wieder in Personalunion Autorin, Regisseurin und Spielerin ist. „Doch die andere hat seit langem bereits ihre eigene Suche, nämlich die nach ihrem Vater, den sie nicht kennt, worunter sie leidet. So ist der Konflikt vorprogrammiert und eskaliert zum Ende hin, doch sie fangen sich wieder – sie haben ja noch ein Lied zu singen“, sagt Sebe fröhlich. Und so wird bei aller Katharsis auch hier wieder der Humor nicht zu kurz kommen.

25., 26., 27. + 29.5., 20 Uhr, 28.5., 19 Uhr, Ballhaus Naunynstraße, Naunynstr. 27, Kreuzberg. Regie: Thandi Sebe; mit Victoire Laly, Thandi Sebe. Eintritt 14, erm. 8 €