Politsatire

The Death of Stalin

Josef Stalin war einer der mächtigsten Männer der Welt, als er am 1. März 1953 einen Schlaganfall erlitt. Einen ganzen Tag lang lag der Diktator der Sowjetunion auf dem Boden, bevor sich jemand in seine Privatgemächer traute, um nach ihm zu sehen. Zwei Soldaten, die vor der Tür Wache ­stehen, sollten längst abgelöst werden. Nun aber müssen sie bleiben und dürfen ihre Miene nicht verziehen, während die Partei-Funktionäre sich um ärztliche Hilfe für Stalin bemühen.

The Death of Stalin

Die Ironien in dieser Situation sind zahlreich, und der Slapstick ist beträchtlich. Stalin hatte vor seinem Tod vor allem Ärzte mit seinem Terror verfolgt, nun suchen Beria, Chruschtschow, Molotow und der Rest der Elite nach qualifiziertem Personal, das aber eines gerade nicht vollbringen soll: Stalin noch einmal auf die Füße zu bringen. Denn nun geht es um seine Nachfolge.

„Der Tod von Stalin“ beruht auf einem französischen Comic. Armando Iannucci („Veep“) ist es gegen viele Wahrscheinlichkeiten gelungen, aus einem zuerst einmal nicht sehr attraktiv wirkenden historischen Stoff eine der besten Komödien des Jahres zu machen: Eine Gruppe rivalisierender, ­älterer Opportunisten in schlecht sitzenden Anzügen versucht, die Macht in einem ­immer noch vom Großen Krieg gezeichneten, heruntergewirtschafteten Land unter sich auszumachen.
Zwei Figuren ragen aus dieser Gruppe heraus: der Geheimdienstchef Beria, ein Schurke gigantischen Ausmaßes, den der britische Schauspieler Simon Russell Beale aber abgründig sympathisch wirken lässt, und Nikita „Nikki“ Chruschtschow, den Steve Buscemi zu Beginn noch als lächerliche Figur zeigt, der aber dann seine Chance erkennt. Zu diesem Duell kommen Neben­figuren, aus denen die Darsteller ein Fest machen: Jeffrey Tambor („TransParent“) spielt den lächerlichen Malenkov, und Jason Isaacs demonstriert als Marschall Schukow mili­tärischen Schneid. Dass auch Michael Palin auftaucht, ist ein wichtiges Signal: Ohne den Geist von Monty Python wäre der Film wohl nicht denkbar gewesen.

Wichtig bei einer Komödie ist aber, ob auf dem Grund des Gelächters ein ernsthaftes Anliegen zu erkennen ist. Gerade auf dieser Ebene zeigt sich die Klugheit, um nicht zu sagen: die Weisheit dieser Geschichte. Der Tod von Stalin markierte ­einen Wendepunkt in der schrecklichen Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts.

F/GB/B 2017, 106 Min., R: Armando Iannucci, D: Steve Buscemi, Simon Russell Beale, Paddy Considine, Rupert Friend

The Death of Stalin

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