Dokumentartheater

The Factory

Das Duo Mohammad Al Attar und Omar Abusaada zeigt, wie in Syrien europäische Geschäftsinteressen und der IS eine unheilvolle Allianz bildeten

Lina Murad als französisch-algerische Journalistin Maryam – Foto: David Baltzer

Wie ist es, wenn der Islamische Staat einrückt? Wie Arbeiter in einer Zementfabrik in Syrien dies im Jahre 2014 erlebten, ist dramaturgischer Höhepunkt des Stücks vom syrischen Regie- und Autorenduo Omar Abusaada und Mohammad Al Attar.

Wie verabschiedet man sich von den Kindern, wenn man ahnt, dass der IS näher rückt? Wie setzt man den Weg zur Arbeit fort, obwohl ringsum Menschen in die entgegengesetzte Richtung flüchten? Und wie alleingelassen und bedroht muss man sich fühlen, wenn im Werk nicht einmal Busse für eine schnelle Evakuierung da sind?

Der syrische Schauspieler Mustafa Kur stößt in diesem Monolog kurz die Tür zum Alltag in Syrien auf, zu Nöten und Ängsten, zur Fragestellung auch, welchen Autoritäten man sich anvertraut. Denn die Zementfabrik, zu der er fährt, gehört dem französischen Konzern Lafarge. Und der ließ die Arbeiter weiter ins Werk kommen, trotz Krieg, trotz Bedrohung. Die Chefs kündigten sogar Angestellten, die nicht an den Straßensperren vorbeikamen.

Und sie zahlten Schutzgeld – auch an den Islamischen Staat. Der sackte das Geld ein, bekam aus der Fabrik sogar Materialien zum Bomben- und Granatenbau – und eroberte sie schließlich doch. In einem Arrangement von vier Schauspielern und einem Musiker sind diese Geschehnisse aufgearbeitet. Deutlich werden die sozialen Verwüstungen im Kriegsland Syrien, aber auch die Profit-Strategien des Westens. TOM MUSTROPH

14. + 19.10., 19.30 Uhr, Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, Mitte. Regie: Omar Abusaada; mit Lina Murad, Ramzi Choukair, Saad Al Ghefari, Mustafa Kur. Eintritt 9–26 €