Kino

The Guilty

Asger schiebt Telefondienst in der Notrufzentrale Kopenhagens. Der Polizist ist eindeutig zu jung für dieses Abstell­gleis, aber erfahren genug, um die Notlage der Anrufer richtig einschätzen zu ­können. Doch dann ereilt ihn der Hilferuf einer verängstigten Frau. Sie heißt Iben und wurde vermutlich entführt. Zuhause warten kleine Kinder, die ohne Aufsicht sind. Asger kann ihren Anruf auf seinem Bildschirm lokalisieren, dann bricht der Kontakt ab – und die Polizeiarbeit beginnt.

In der nüchternen Funktionalität dieser Notrufzentrale beginnt ein hochspannendes Filmexperiment: „The Guilty“, das ­Regiedebüt Gustav Möllers, setzt auf das Kino im Kopf seines Protagonisten und des Publikums. Da Asger seinen Arbeitsplatz nicht verlassen kann, muss er sich auf die Augen und Ohren anderer verlassen, die er nach und nach ins Geschehen schickt. Telefon und Computer sind seine einzigen Instrumente, um Kinder, Täter und Opfer aufzuspüren.

The Guilty
Ganz nah dran und doch unendlich weit weg: Asger (Jakob Cedergren)
Foto: Nikolaj Moeller

Eine One-Man-Show also, bei der Jakob Cedergren als Asger brilliert. Unerbittlich beobachtet von der Kamera, die sich mit Großaufnahmen an dem Polizis­ten fest­saugt, als könne sie damit auch in seine Gedankenwelt eindringen. ­Hinter das ­fiebrige Kombinieren, hinter die nerven­aufreibende Anspannung. Und während Asger diese Iben und ihre Kinder retten will und dabei die Kompetenzen seines Notdienstes weit überschreitet, erfährt man ganz beiläufig, warum er überhaupt in ­dieser Zentrale sitzt, warum die ­Kollegen ihn nur zögerlich unterstützen und warum er trotz Dienstende einfach nicht nach Hause gehen will.

Psychologisch äußerst raffiniert schraubt sich „The Guilty“ in gleich zwei verzwickte Fälle. Denn das persönliche Drama Asgers wirkt sich auf den Entführungsfall aus und lässt ihn beinahe eskalieren. Asger verkennt die Tücken von Kommunikation ohne ­direktes Gegenüber, setzt auf falsche Intuitionen und bemerkt fast zu spät, aus wie vielen Facetten sich dieser Fall zusammensetzt. 

„Den skyldige“, DK 2018, 85 Min., R: Gustav Möller, D: Jakob Cedergren, Jessica Dinnage, Omar Shargawi, Johan Olsen, Start: 18.10.

Infos und Termine

https://www.zitty.de/event/thriller/the-guilty-2018/