FESTIVAL

Stumme Zeitzeugen

Schwäne, radioaktive Strahlen, Flohmarkt-Funde und Filmschnipsel: Das Festival Theater der Dinge konzentriert sich ganz auf den Charme der Objekte

Eröffnungsstück: „Biografie“ von Karlsson Haus aus Sankt Petersburg, eine Adaption des Andersen-Märchens „Das hässliche Entlein“ – Foto: Anton Ivanov

Text: Tom Mustroph

Programmatisch wird hier Theater über Objekte erzählt, über die in Gegenständen eingespeisten Erinnerungen, die dann spielerisch befreit werden. Pate dieses Denkens mit Hilfe der Dinge ist Marcel Proust, der auch für das Herausarbeiten ganzer Lebensgeschichten aus dem Duft eines in der Kindheit genossenen Gebäcks berühmt wurde (Proust-Effekt). Während Prousts Bücher heutzutage leider meist eher verstaubt in den hinteren Regalreihen stehen, sind die theatralen Erzählungen mit Hilfe der Objekte höchst zupackend.

Die mexikanisch-spanische Gruppe El Solar etwa zog in einer zehnwöchigen Residenz durch Berlin und sammelte dabei Objekte und Lebensgeschichten ein („Tagebuch zwischen den Zeilen“, 9.–13.11., Weinsalon, Schreinerstr. 59). Den schrillen Versuch, die zersplitterten Reste einer Sammlung von Porzellanfiguren mit einer Kollek­tion aufgespießter Insekten zu verschmelzen, unternimmt der begabte Objekte-Animator ­Florian Feisel in „SchmetterDinge“ (9.–11.11., Schaubude). Tote Dinge und tote Tiere werden hier zu neuen Gestalten mit neuen Geschichten zusammengefügt.

Eine Collage zum eigenen Aufwachsen nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl ist „Chronik der Zukunft“ (13.11., Podewil), am Tage der Katastrophe wurde eine der Performerinnen geboren. Gedanken einer Rückkehrerin in die alte Heimat Teheran fördert das iranische Pouppe Theatre in „Flug Nr. 745“ zutage (12. + 13.11., Schaubude).

Ein internationales Programm von Geschichten, die vor allem über Objekte erzählt werden. Aber Figurentheater ist auch am Start. Die russische Truppe Karlsson Haus gibt das Aufwachsen eines Menschen mit den Verwandlungen von Schwänen und Enten wieder („Biografie“, 9. + 10.11., Schaubude).

9.–15.11., Schaubude Berlin, Greifswalder Str. 81-84, Prenzl. Berg, u. a. Orte. Eintritt 0–15, erm. 0–10 €, www.schaubude.berlin/schaubude-berlin/theater-der-dinge/