Love & Hate

Cheerleader

LOVE

Eva Apraku hat nix gegen sexy gekleidete Cheerleaderinnen – möchte in den Teams aber auch sportliche, knackige Männer sehen

Ein nicht ganz unerheblicher Teil der Attraktivität beim Sportzugucken, geben wir es doch endlich zu, ist, durchtrainierten Menschen dabei zuzusehen, wie sie ihre perfekten Körper äußerst gekonnt bewegen. Dass dieser Voyeurismus ein gewichtiger Teil diverser Disziplinen ist, wussten schon Sprinter*innen wie Florence Griffith-Joyner oder Linfort Christie, die nicht nur durch sensationelle Zeiten, sondern, höchst werbewirksam, auch durch Outfits beeindruckten, die jeden Quadratzentimeter ihrer formvollendeten Bodys betonten: Gerade von Linfort Christie scheint es aus seiner aktiven Zeit mehr Fotos mit – reichlich definiertem – freiem als bekleidetem Oberkörper zu geben.

Dass in den Pausen bei Heimspielen der ersten Basketballbundesligamannschaft von Alba Berlin Cheerleaderinnen nicht nur ihr sportliches Hochleistungskönnen, sondern auch ihre Bauchnabel, Dekolletés und nackte Beine zeigen, gehört für mich zur Inszenierung von Sport einfach dazu. Zumal die Alba Dancers etwa gegenüber Beachvolleyballerinnen oder Stabhochspringerinnen outfitmäßig geradezu hochgeschlossen antreten. Trotzdem hat Alba-Geschäftsführer Marco Baldi die Dancers nun aus dem Basketballbundesligageschehen verbannt: Es sei unzeitgemäß, dass Frauen in einer derartigen Aufmachung Männer beim Sporttreiben anfeuerten.

Marco Baldi hat da irgendwas falsch verstanden: Cheerleading ist eine eigene Disziplin – auch wenn es sich gut als Kombi zu anderen Sportarten eignet. Statt die Alba Dancers aus vermeintlich feministischen Gründen vor die Tür zu setzen, wäre eine Erweiterung des Teams mit männlichen Tänzern viel angebrachter. Warum schaut sich Baldi nicht einfach mal in Berlins HipHop-Szene um? Da gibt es junge Männer, deren tänzerisch-artistisches Können einem den Atem verschlägt. Und die sich, wichtig, wichtig, auch gut in knappen Leibchen machen.

HATE

Clemens Niedenthal will keine hüpfenden Frauen in Basketball-Pausen sehen

Bei Alba Berlin haben die Cheerleaderinnen nun also Pause. Beziehungsweise: Bei Alba Berlin haben die Pausen künftig keine Cheerleaderinnen mehr. Man sei zur Erkenntnis gekommen, dass „das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents nicht mehr ins unsere Zeit passt“, so hat es Alba-Geschäftsführer Marco Baldi auf der Homepage des Basketball-Bundesligisten formuliert. Und eigentlich wäre dem nichts mehr hinzuzufügen. Außer vielleicht der Frage, wann genau nochmal diese Zeit war, in die das „das Auftreten junger Frauen als attraktive Pausenfüller bei Sportevents“ hingegen ganz wunderbar gepasst haben soll.

Aber die Antwort haben ja bereits Silvio Heinevetter, Deutschlandtorwart im Handball, Horst Seehofer und all die anderen Freunde und Freundinnen der bauchfreien und vorzugsweise blondierten Formationsakrobatik gegeben: Erstens würden sich diese Frauen ja mit ganzer Leidenschaft – das Triggerwort lautet hier: Selbstbestimmung – ihrem Hobby widmen. Zweitens sei das Cheerleading inzwischen selbst längst ein Hochleistungssport. Und drittens, und das ist das ulkigste aller Argumente, seien unter den Alba-Cheerleaderinnen sogar Juristinnen und Zahnärztinnen. Zack, wird mal wieder versucht, die gesellschaftlichen Untugenden des Gaffens und Grabschens jenen Milieus zuzuschreiben, mit denen man selbst nichts zu tun hat. Und außerdem: Wer wird den gleich so prüde sein?

Nun, Thema verfehlt. Überhaupt will ja niemand das Cheerleading verbieten. Es geht vielmehr um eine Kontextverschiebung. Cheerleading hat, ob nun als Leistungssport oder Leidenschaft, seine eigene Bühne. Nämlich in eigenen Wettbewerben, sogenannten Squads, in dem sich die Teams miteinander messen und von Wertungsrichter*innen beurteilt werden. Da kann dann hingehen und zuschauen, wer will. Und das ist doch eigentlich eine ziemlich liberale Idee.