Fotografie

Thomas Struths Anthropozän

Fabriken und Forschungszentren: Struths Aufnahmen zeigen eine hochkomplexe Welt

Ein Gewirr von Kabeln, Leitungen und Schläuchen verbindet Kästen, Apparate, Displays. Die komplizierte Konstruktion lässt sich kaum entziffern. „Measuring, Helmholtz-Zentrum, Berlin 2012“ heißt die Fotografie. Was hier gemessen wird? Wie, von wem, wofür? Thomas Struth verrät es nicht.
Auf anderen Aufnahmen seiner Ausstellung im Martin-Gropius-Bau begegnen dem Betrachter OP-Roboter, Space-Shuttle, Teilchenbeschleuniger, Stillleben aus realer Science Fiction. Dazwischen hängen Fotos aus einer künstlichen Disneywelt und halbverlassenen Krisengebieten, aus Ramallah, den Golanhöhen, alle großformatig, der Bildausschnitt – wie stets bei Struth – perfekt gewählt. So unterschiedlich die Motive auch wirken, gemein ist ihnen, wie sie Eingriffe von Menschen in Natur und Zukunft herausstellen. Nur die Schöpfer selbst sieht man nicht, stattdessen Kunststoffcanyons, Brachen, Maschinenparks.
Frappierend besonders Struths Blick auf letztere: Eben weil er ganz nah herantritt, nicht das Drumherum, sondern Versuchsanordnungen, Messgeräte und Forschungsapparaturen in den Fokus nimmt, hebt er die Distanz zum betrachtenden Laien hervor. Die ­Maschinen geben den Blick auf ihr Innerstes frei und wirken so doch nur noch abstrakter, faszinierend, vor allem aber beängstigend fremd.

Bis 18.9.: Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg, Mi–Mo 10–19 Uhr, 10/ erm. 7 €, bis 16 J. frei