Frauenpower

Tiger Girl

Der neue Film von Jakob Lass setzt erneut auf Improvisation

ZITTY-Bewertung: 5/6

Ein Raunen ging vor ein paar Jahren durch die deutsche Kinolandschaft. Denn aus Berlin wehte ein frischer Wind herüber. Einige junge Filmemacher hatten keine Lust mehr, auf Fördergelder zu warten oder vom Wohlwollen einiger Fernsehredakteure abhängig zu sein. Axel Ranisch, Philipp Eichholtz und Tom Lass drehten einfach Filme wie „Dicke Mädchen“, „Kaptn Oscar“ oder „Lieb mich“; im Hier und jetzt spielend, ohne festes Drehbuch, dafür mit viel Improvisation und Charme. Und Toms Bruder Jakob Lass, der mit der jungen Produzentin Ines Schiller eine Verwandte im Geiste gefunden hatte, lieferte den ersten ganz großen Renner ab: „Love Steaks“ gewann beim Filmfest München alle wichtigen „Deutschfilmpreise“, lief erfolgreich im Kino und wurde für den deutschen Filmpreis nominiert.

Wehrhaft: Vanilla (Maria Dragus, li.) und Tiger (Ella Rumpf) Foto: Constantin Film Verleih GmbH/ Fogma

So durfte man also gespannt sein auf Jakob Lass’ neuen Film „Tiger Girl“, der im Panorama der diesjährigen Berlinale (und leider nicht im Wettbewerb) seine Weltpremiere feierte. Und wieder gab es keine festen Dialoge, sondern nur ein „Skelettbuch“ als Gerüst für die Story.

Margarete (Maria Dragus, „Das weiße Band“) schiebt Frust, weil sie bei der Aufnahmeprüfung für die Polizeischule durchgerasselt ist. Dann macht sie eben eine Ausbildung bei einem privaten Sicherheitsdienst, Hauptsache schicke Uniform. Dann begegnet sie Tiger (eine Entdeckung: Ella Rumpf). Die lebt in einem alten Bauwagen und weiß sich auf den Straßen Berlins durchzusetzen. Tiger tauft Margarete in Vanilla um und bringt ihr bei, sich durchzusetzen. Gemeinsam ziehen die jungen Frauen durch die Gegend. Doch dann muss Tiger feststellen: Vanilla hat das mit der „unbedingten Freiheit“ in den falschen Hals bekommen – sie mutiert allmählich zur Gewaltmaschine.

Besonders die erste Hälfte von „Tiger Girl“ beeindruckt durch eine Vitalität, wie sie selten ist im deutschen Film. Die beiden jungen Frauen mischen mit Esprit ihre Umgebung auf, lassen sich nichts gefallen und ziehen ihr (mitunter illegales) Ding durch. In der zweiten Hälfte müht sich der Film allerdings, das Frauenmacho-Ding zu einem schlüssigen Finale zu bringen, da geht Lass sein Improvisationscharme etwas flöten. Dennoch: ein Film mit ganz starken Momenten.  

D 2017, 90 Min., R: Jakob Lass, D: Ella Rumpf, Maria Dragus, Enno Trebs, Orce Feldschau

https://www.zitty.de/event/drama/tiger-girl/

Kommentiere diesen beitrag