157 Aktionen für’s Klima

Tipps für Einsteiger*innen

Vor einem hochmotivierten Start empfieht es sich, kurz innezuhalten, um sich zu fragen: Wo lassen sich am schnellsten Erfolge erreichen? Die Treibhausgase aus den Sektoren Energie, Verkehr und Landwirtschaft gelten weltweit als die kritischsten. Aber vielleicht ist es effektiver, das zu tun, was man am besten kann und was am meisten Freude macht? Oder kombiniert man? Seien Sie pragmatisch. Stecken Sie sich ein Ziel. Und später noch eins.

Haushalt

1.  CO2-Rechner helfen, persönliche Emissionen einzugrenzen. Zu den seriösesten zählen die von Umweltbundesamt und co2online:
uba.co2-rechner.de
www.co2online.de
Flüge und Schiffsreisen: www.atmosfair.de
Treibhausgasemmissionen von Haushalten: CO2-Rechner des Umweltbundesamtes 
Energiebilanz von Haushalten : Der CO2-Rechner der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft CO2online

2.  Stromanbieter wechseln: Hier lässt sich mit wenig Aufwand ein großer Effekt erzielen. Einige Unternehmen verkaufen ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien, etwa Lichtblick, Greenpeace Energy, Naturstrom, Die Bürgerwerke und die Berliner Stadtwerke. Letztere, Tochter der Berliner Wasserbetriebe, haben sich auf ein klimaneutrales Berlin verpflichtet und bieten günstigen, da regional erzeugten Strom an:
Hier entfallen Gebühren für den Transport. Laut Unternehmen würde sein Ökostrom für einen Drei-Personen-Haushalt in Kreuzberg rund 88 Euro/ Monat kosten und gegenüber konventionell erzeugtem Strom 1.566 Kilogramm CO2/ Jahr sparen. Also 1,5 Tonnen.

3.  Auch nach dem Wechsel zu Ökostrom Energie sparen:  Strom belastet die Umwelt zwar weniger, aber auch die Fabrikation und Platzierung von Solarpanels kostet Energie.

4.  Ausschalten: keine Geräte auf Standby laufen lassen. Spart laut Ausstellung im Museum für Naturkunde (S. 25 ) rund 1 Kilo CO2/ Tag.

5. Smartphones (auch ökologische) so lang wie möglich nutzen. Ausgediente Geräte aufarbeiten lassen und weiter nutzen, verkaufen, verschenken. Rankings  fair produzierter Modelle unter anderem bei www.utopia.de.
Fairphones: www.utopia.de ; www.oekotest.de

Illustration: Tobias Meyer

6. Die letzten konventionellen Glühbirnen austauschen: Zeitgenössische Energiesparlampen machen inzwischen warmes Licht. Bei LED-Lampen ist wegen des hohen Blaulichtanteils vor dem Schlafengehen sowie im Freien mit Rücksicht auf ­Vögel und Insekten Vorsicht angebracht. 
LED-Lampen: www.test.de

7. Zurückhaltung bei ­Gütern, deren Transport und Erzeugung viel Treibhausgase verursachen, wie pflückfrische „Flugmangos“. 

8.  Genuss regionaler und saisonaler Produkte, wie Spreewälder Gurken im Juni, Brandenburger Blaubeeren im Juli. Modische Inkakörner aus Übersee sollten Ausnahme sein.

 9. Einkauf von Bioprodukten: Aus chemischem Dünger treten bei seiner Zersetzung Stickstoff und CO2 aus. Die höheren Preise können wettgemacht werden durch die nächsten vier CO2-Einsparungen.

10.  Einschränkung des Fleischverzehrs: Gerade Rinder setzen Methan frei (pupsende Wiederkäuer).

11. Weniger Milchprodukte: Vor allem die Herstellung von Butter erzeugt  Methanemissionen. Butter braucht viel Milch, viel Milch braucht viel Kühe usw. 

12. Lebensmittel sparen: Nichts verderben lassen und wegwerfen. Food Sharing nutzen. Das Food Sharing Festival Berlin findet 16. bis 18. August in der Malz­fabrik statt. Links zu Food Sharing-Initiativen:

13. Trinkwasser aus dem Wasserhahn spart Transportwege. Die Berliner Wasserbetriebe bieten eine Prüfung des Bleigehalts an. Der Verbraucherschutz empfiehlt zudem Wassertester. 

14. Vegetarisch leben oder gelegentlichen Fleischverzehr durch Kompensationen an Klimaschutzprojekte ausgleichen (Punkt 71).

15. Plastik vermeiden: Der größte Teil des Plastiks hat seinen Ursprung in fossilen Brennstoffen wie Öl. Dessen Gewinnung und Verarbeitung setzen Treibhausgase frei, das Recycling (sofern es überhaupt stattfindet) ebenfalls. Baumwolltaschen haben ebenfalls eine schlechte Klimabilanz. Viele Ersatzprodukte wie Bambusbecher enthalten Kunststoffanteile. Also: 

16. Einwegverpackung und -produkte vermeiden. Beim Ersatz sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt: von der traditionellen Butterbrotdose beim Einkauf bis zur hippen Menstruationstasse. 

17. Klimaneutral produzierte Waren von Hersteller*innen kaufen, die ihre Produktion CO2-neutral halten, wie Florida Eis aus Berlin. Nur seriösen Siegeln vertrauen. Übersicht z.B. www.siegelklarheit.de.

18. Retouren vermeiden: Nur bestellen, was benötigt wird und nicht im Geschäft nebenan steht.

19. Einfach weniger ­kaufen. Mieten statt kaufen. Weniger ist das neue Mehr.

20. Reparieren und ­flicken: Geräte, Kleidung, Nutzgegenstände. Produktion und Transport setzen Treibhausgase frei. Bei schwierigeren Reparaturen und vom Hersteller beabsichtigten Schäden können Repair-Cafés helfen.

21. Weitergabe/Verkauf gut erhaltener, ungenutzter Kleidung und Geräte: auf Flohmärkten, an wohltätige Organisationen, über Kleinannoncen.

Verkehr/Mobilität

22. Nicht fliegen.

23. Wenn fliegen, dann den Flug kompensieren: Die freiwillige CO2-Steuer wird in ökologische Klima­projekte investiert bei
www.atmosfair.de.

24. Wenn fliegen, dann einen Direktflug ohne  Zwischenlandung buchen, weil ein Start am meisten Kerosin verbraucht.

25.  Zu Fuß gehen, Rad fahren oder mechanischen Tretroller nutzen. Hält ja auch sportlich.

26. Den innerstädtischen öffentlichen Nahverkehr nutzen: selbsterklärend.

27. Auf den Firmenwagen verzichten, stattdessen dem Arbeitgeber ein Dienstfahrrad oder BVG-Abo vorschlagen.  

28. Kinder nicht mit dem Auto zur Schule fahren: sehen auch Pädagog*innen, Kinderärzt*innen gern. 

29. Bahn fahren: Die Deutsche Bahn fährt mit Ökostrom. Sondergebote und Vielfahrrabatte nutzen. 

30.  Wenn schon moto­risiert, dann:

  • kein eigenes Auto halten
  • Sprit sparend, vorausschauend und höchstens 130 fahren
  • Fahrgemeinschaften bilden
  • ein spritarmes, kleines Auto fahren
  • keinen Biosprit tanken, weil für die Bioenergie gedüngte Maismonokulturen die Böden auslaugen und das Artensterben fördern
  • ein E-Auto mit Ökostrom fahren, aber auch die Herstellung eines E-Autos, speziell der Akkus, drückt aufs Klima • lieber ein altes Auto bis zur Schrottreife fahren, als ein neues, Sprit sparendes Auto kaufen. Wer ein altes Benzinauto mit 7,5 l/100 km Verbrauch gegen einen Elektro­auto mit Strommix 2030 tauscht, dessen Ökobilanz ist laut „Spiegel“- Auto-Rechner erst nach sieben Jahren ok.
  • Klimabilanz eines Neuwagens: www.spiegel.de/auto/aktuell
    und http://www.emobil-umwelt.de/index.php/umweltrechnerh

31. Austritt aus Verkehrsorganisationen, die eine konventionelle Verkehrspolitik verfolgen, Eintritt in Verbände, die sich für eine ökologische Verkehrspolitik einsetzen wie Verkehrsclub Deutschland (VCD), Fuss e.V.

Energie

32. Den Wäschetrockner abschaffen

33. Die Gefriertruhe abschaffen: ein größeres Tiefkühlfach reicht, es sei denn, Sie sind Jäger*in oder Fischer*in.

34. Im Winter: stoß- statt dauerlüften, damit es warm bleibt.

35. Im Sommer nachts dauerlüften, damit die Räume auskühlen. 

36. Türen und Fenster abdichten, jedoch Vorsicht vor Schimmelbildung. 

37. Thermostat einbauen (lassen), alte gegen neue ersetzen: Sie regeln die Temperaturen einzelner Räume, programmierbare Thermostate auch zeitlich gezielt. 

38. Wärmedämmung: Spart imWinter Energie, hält im Sommer vor allem in Dachgeschossen kühler, aber wie bei Türen und Fenstern (36) gilt: Vorsicht vor Schimmelbildung, zudem vor Schadstoffen im Dämmmaterial und Emissionen bei deren Herstellung. 

39. Energieeffiziente ­Geräte nutzen, jedoch vor einem Neukauf erst die alten runterrocken, denn die Herstellung eines modernen Kühlschranks kann treibhausgasintensiver sein als der Gebrauch eines alten.

Freizeit/ Engagement

40.  Die Urlaube anders planen: Klimagünstige Urlaubziele mit Zuverbindung wählen. Bei komplizierteren Verbindungen hilft zum Beispiel der VCD-Reisebüro- Service „Kopfbahnhof“ in der Yorckstraße 48, Kreuzberg. Und lieber einen längeren ­Urlaub statt vieler Kurzurlaube planen.

41. Keine Kreuzfahrt buchen. Schweröl-Schiffe sind Klimakiller.

42.  Die Urlaubsregion emissionsfrei erkunden: per Rad oder zu Fuß. Bei der Wahl der Unterkunft auf Ökosiegel und Bio- bzw. regionale oder vegetarische Küche achten.

43. Die Hobbys checken:  Motorrad-, Motorbootfahren? Fallschirmspringen? Welche Energiequellen nutzt die Wellnessanlage? 

44. Weniger streamen: Schade, Netflix und Mediatheken leer gucken war ja das neue Hobby. Ist aber irre energieintensiv. Dasselbe gilt für Musik. Stattdessen:

45. Keep Cool spielen, ein wissenschaftlich geprüftes Spiel aus Berlin, das den Zusammenhang zwischen fossiler und grüner Industrie, Extremwetter, Schäden, Versicherungen und Investitionen spannend transparent macht. Als Brettspiel und online. Website von Keep Cool

46. Nachhaltige Festivals besuchen, Nachweis über Umweltschutz ansehen, öffentlich anreisen, keine Zelte hinterlassen. 

47. Unterschriften leisten bei Initiativen, Appellen, die sich für Klimaschutz einsetzen.

48. Demonstrieren: Termine stehen auf den Internetseiten großer Umweltschutzorganisationen und der Fridays- und ScientistsForFuture-Bewegungen. 

49. Klimastreik einplanen: nächster weltweiter Termin der Erwachsenen: 20.9. 2019.  

50. Das Wahlrecht ­nutzen. Selbsterklärend.

51. Informieren: Neben vielen ­Büchern gibt es gute journalistische Netzseiten zum Thema Klima. Linksammlung auf
www.zitty.de/klima2019

Studium/ Lehre/ Beruf

52.  Weniger Suchmaschinen nutzen: Laut der Zeitschrift Geo, die sich auf Angaben von Google bezieht, erzeugte 2017 jede Suchanfrage bei Google 0,2g CO2. Google erhält angeblich 3,8 Millionen Anfragen pro Minute.

53. Die Suchmaschine wechseln: Ecosia aus Berlin nutzt Einnahmen aus Suchanzeigen, um auf der Sübhalbkugel Bäume zu pflanzen. Nach eigenen Angaben funktioniert Ecosia CO2-neutral, die Energiekommt aus eigener Solaranlage. Finanzberichte und Pflanzbelege stehen online: www.ecosia.org

54. Den Computer plus den Bildschirm abschalten: in längeren Pausen.

55.  Papierverbrauch ­beschränken: Recyclingpapier verwenden, beidseitig drucken, weniger drucken. 

56. Die Firmenleitung davon überzeugen, die Reisekosten auch komplett zu erstatten, wenn die Bahnfahrt teurer ist als ein Flug.

57. Der Firma vorschlagen, Ökostrom zu ­beziehen:  kann preiswerter sein.

58. Video-/ Telefonkonferenzen statt Reisen zu Meetings.

59. Die Klimaanlage erst ab 25 Grad Außentemperatur einschalten.

Abfall

60. Menge verringern: Recycling kostet Energie, belastet das Klima. 

61. Bioabfälle selbst kompostieren für Balkon, Hofgrün und Garten: Das spart den Transport und ­sichert, dass aus ihnen tatsächlich Kompost wird. Berliner Bioabfall wird zu einem Großteil zu Biogas vergärt. 

Wohnen/  Stadt 

62. Straßenbäume bei Trockenheit gießen:  Bäume binden Kohlenstoff während ihrer Biomasseaufbaus und setzen Sauerstoff frei. So kann eine 120-jährige, 35 Meter hohe Buche mit einem Durchmesser von 50 Zentimetern rund 3,6 Tonnen CO2 speichern. Laut co2online.de muss man jedoch 80 Bäume pflanzen, um eine Tonne CO2 zu kompensieren.  

63. Baum­scheiben begrünen: Anleitung und Erlaubnis gibt es beim Grün­flächenamt des jeweiligen ­Bezirks im Netz.

64. Baumpatenschaften: Die Senats-Kampagne „Stadtbäume für Berlin“ ist bis 2021 verlängert worden.

65.  Ist Fassaden- oder Dachbegrünung möglich? Hausbesitzer*innen ansprechen. Kann im Hinterhof ein Garten entstehen? Wer kümmert sich darum?

Gärten/ Parks/ Landwirtschaft

66. Klimagerechte Gärten: modische Steingärten wieder in Erdgärten umwandeln, die Wasser speichern und kühlen. Steingärten dagegen heizen die Umgebung auf. Laubbäume pflanzen und erhalten. Und Laubkehren als Erholung, nicht als lästige Pflicht sehen. 

67. Bäume pflanzen, die mit dem veränderten Klima zurechtkommen und auch noch in 20 Jahren CO2 speichern können. Die Berliner Förster*innen setzen bei der Umwandlung des brandgefährlichen Kiefernwalds in feuchteren Laubmischwald beispielsweise auf Trauben­eiche und Hainbuche, Winterlinde und Feldulme. 

68. Keine Gartenerde mit Torf verwenden: Torf speichert das Treibhausgas Methan. Beim Torfstechen wird es freigesetzt. Moorböden werden außerdem als Wasserspeicher benötigt.

69. Das Gras wachsen ­hören: Langes Gras speichert Feuchtigkeit und kühlt, der Rasen trocknet nicht so schnell aus. 

70. Beschädigte Bäume melden: beim zuständigen Gartenamt oder der Parkverwaltung. Vielleicht lassen sie sich durch ­Beschnitt retten. 

Dienstleistung / Finanzen

71. Spenden für Organisationen, die Klima­projekte finanzieren (quittieren lassen).

72. Die Bank wechseln:  Schwer verdientes Geld und Erbschaften sind zu schade für Banken, die mit Öl, Kohle und dem klimaschädlichen Abbau anderer Ressourcen wirtschaften. 
Ethische & grüne Banken: www.test.de/thema/oekofonds
oder https://utopia.de/ratgeber/alternative-gruene-bank/

73. Keine Bitcoins kaufen: Laut Deutsche Welle und Focus vom Juni 2019 verursacht die Kryptowährung 22 Megatonnen CO2/ Jahr. 

Und sonst

74. Systemisch denken und sogenannte Rebound-Effekte beachten: Das sind mögliche unbeabsichtigte Rückschläge. Der Strom sparende Fernseher ist z.B. für die Katz, wenn man auf dem schönen neuen Bildschirm noch mehr Serien streamt.

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