MONODRAMA

Tod eines Jägers

Das neu eröffnete TheaterAufmKahn überzeugt mit Rolf Hochhuths ­Hemingway-Drama

Theaterkapitän: Torsten Münchow als Hemingway – Foto: TAKBerlin

Der Ort, der Laderaum eines alten Frachtkahns, ist bestechend. Schauspieler Torsten Münchow hat sich mit dieser Theatergründung einen Traum erfüllt. Auf der „MS-Kurier“ an der Fischerinsel soll neben dem regelmäßigen Spielbetrieb mit internationalen Produktionen, auch ein Jugend­theater für die Generation 13+ entstehen.

Und wie ein Schiff Orte verbindet und Waren transferiert, will Münchow einen kulturellen Transfer zwischen Deutschland, Polen und England (gerade nach dem Brexit) organisieren. So wird nach der Premiere das Eröffnungsstück „Tod eines Jägers“ auch in der englischen Fassung der Londoner Inszenierung von Anthony Shrubsall gespielt werden.

Rolf Hochhuths Monolog thematisiert die letzten Stunden Ernest Hemingways vor seinem Suizid. Regisseur Peter Thiers stellt den Whiskyseeligen, völlig verwahrlosten Hemingway auf ein leeres Doppelpodest und lässt diesen ganz werktreu sein Künstlerleben Revue passieren.

Münchow spielt den Schriftsteller zwischen Paranoia, lauter Verzweiflung und auch stiller Erinnerung überaus überzeugend. Stark etwa die Szene, wenn der bärtige, massige Mann in zerschlissener Uniform seine Kriegserlebnisse vor den Zuschauern liegend hautnah versinnbildlicht. Zu erleben ist eine Geschichte über Armut, Ruhm und Selbstverlust als ein in jeder Minute spannend durchgestaltetes Schauspielertheater. AXEL SCHALK

14. – 16.9., 20 Uhr, 17.9., 18 Uhr, TheaterAufm­Kahn, Fischerinsel 3, Mitte. Regie: Peter Thiers; mit Torsten Münchow. Eintritt 20, erm. 15 €

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