VIRALE BÜHNEN

Tipps: Tolle Theaterstreams

Die Digitalen Spielpläne der Berliner Theater halten auch im Mai etliche Perlen bereit

Abstandsregelkonform: Livestreaming-Premiere „Die härteste Tochter Deutschlands“ mit Annemie Twardawa, Elias Arens, Edgar Eckert – Foto: Roman Kuskowski

Text: Friedhelm Teicke

Für das Echte gibt es keinen Ersatz, heißt es in irgendeiner alten Reklame. Viele meinen, dass das auch fürs Theater in elektronischen Aufzeichnungen gilt. Der Konserve fehle die Kopräsenz von Akteuren und Publikum in einem gemeinsamen Raum. Bestenfalls seien es informative „Zitate des Abwesenden“ (nachtkritik.de).

Gleichwohl streamen die Corona-bedingt geschlossenen Thea­ter derzeit, was das Zeug hält, die Rechte­inhaber sind hier mal sehr kulant. Das bietet die Chance, zahllose aktuelle oder berühmte Inszenierungen auf dem heimischen Bildschirm nach- oder wiederzuerleben bis der Router glüht oder die Knabber­mischung ausgeht.

Besonders die Schaubühne und das Deutsche Theater halten in ihren Online-Spielplänen manch legendäres Werk bereit. Und am 12. Mai streamen sie sogar erstmals ein Stück gemeinsam. Gezeigt wird „Messer in Hennen“ von David Harrower, ein wildes Stück über Bauern, Sprache und Sodomie, inszeniert 1997 vom damals blutjungen Thomas Ostermeier in der schnell kultigen DT-Baracke, der erste große Erfolg des heutigen Regiestars und Intendanten der Schaubühne (abrufbar hier und hier vom 12.5., 18 Uhr, bis 13.5., 12 Uhr).

Auch das Theatertreffen kompensiert den erzwungenen Ausfall des Festivals mit Streams einzelner der zehn eingeladenen Inszenierungen. So läuft am 6. Mai ­Rimini Protokolls Tourette-Syndrome-Abend „Chinchilla Arschloch, waswas“ und am 8. Mai ­Toshiki Okadas melancholische Kapitalismuskritik „The Vacuum Cleaner“ von den Münchner Kammerspielen (jeweils ab 20 Uhr für 24 Stunden hier abrufbar).

Genuine Livestreams, also tatsächlich live gespielte Stücke, bei denen mitunter interaktives Mitwirken möglich ist, verbinden Theater und digitale Welt innovativer. So lassen Berlins Improtheater-Profis Die Gorillas bei „Improviral“ ihr Publikum die Vorschläge über einen live mitlaufenden Chat geben (7., 14. + 21.5., 19.30 Uhr, hier) oder nutzen Forced Entertainment und HAU die derzeit viel genutzte Zoom-Konferenz-App für eine witzige Episodenserie, deren weitere Folge am 12. Mai auf dem HAU-Youtube-Kanal live läuft (21 Uhr, hier. Siehe auch Interview hier).

Ebenfalls eine Thea­ter-Premiere in Echtzeit, live gespielt im Internet und nur am jeweiligen Abend abrufbar, ist auch „Die härteste Tochter Deutschlands“. Es geht nach einem Text von Katharina Köth um eine sich in ihren jeweiligen digitalen Echokammern völlig entfremdende Familie. Die Schauspielenden Elias Arens, Edgar Eckert und Annemie Twardawa agieren in der Regie von Sarah Kurze getrennt und ebenfalls nur übers Internet verbunden. Hier verbinden sich Abstandsregel und Inhalt einmal bestens (7., 11.+13.5., 20 Uhr, hier).

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