Kino

Tom of Finland

Spätestens wenn eine erkleckliche Anzahl von Menschen beginnt, sich bestimmten Figuren in Masturbationsvorlagen nachzustylen, werden diese kulturhistorisch relevant und soziologisch interessant.

Für die Zeichnungen von Tom of Finland gilt dies um so mehr, als kaum ein Künstler wirkungsvoller den gern als feminin, krank und schwach dargestellten Schwulen ein neues Selbstbild vermittelte: mit Soldaten, Polizisten, Matrosen, Motorradrockern oder Bauarbeitern, die sich lustvoll dem Sex miteinander hingeben. Kerlen voller Kraft und Schönheit, deren Hypermännlichkeit zuweilen bis ins Groteske übersteigert ist.

Tom of Finland
Tom of Finland
Foto: 2017 Josef Persson Helsinki Filmi Oy

Leider erfährt man in diesem biografischen Spielfilm nur wenig darüber, wie der Finne Touko Laaksonen (1920-1991) zu diesem Werk und dieser Rolle kam. Die Entwicklung seines (mittlerweile auch vom etablierten Kunstbetrieb gewürdigten) Schaffens bleibt im Dunkeln.

Dass Tom of Finlands Arbeiten ohne schwulen Selbst- und insbesondere Tuntenhass kaum zu verstehen sind, wird nicht thematisiert. Seine Supermänner erscheinen vor allem als Produkt seines persönlichen Faibles für Motorradfahrer und andere Lederträger. Wann welche Filmszenen überhaupt spielen, kann man – mit dem nötigen Vorwissen – nur erahnen. So bleibt vieles in diesem genügsam dahinplätschernden Film ebenso vage wie die Figuren blass. Schade.

FIN/S/DK/D 2017, 116 Min., R: Dome Karukski, D: Pekka Strang, Lauri Tilkanen, Jessica Grabowsky

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