Kino

Tony Conrad: Completely In The Present

Tony Conrad steht vor dem New Yorker Haus, in dem er Anfang der 1960er gelebt hat. Mit Mikrophonen bewaffnet interessieren ihn die Straßengeräusche mehr als der Umstand, dass er hier Filmgeschichte schrieb, mit Jack Smith den New Yorker Film-Underground begründete und hier der Bandname Velvet Underground ­erdacht wurde. Es ist eine für Tony Conrad typische Szene, einen der einflussreichsten künstlerischen Tausendsassas der letzten Jahrzehnte.

Tausendsassa: Tony Conrad
Foto: Salzgeber

Als Musiker, Filmer und Medienkünstler ist Conrads Werk trotzdem wenigen ein Begriff, weil er nie in vorgefertigte Schubladen gesteckt werden wollte. Mal in der Vorläufer-Band von Velvet Underground zu spielen fand er spaßig, aber Rock’n’Roll auf Dauer langweilig. Seine große Liebe blieb die Violine und die Minimal ­Music, zu deren Pioniere er gehörte, aber ein wichtigtuerischer Komponist wie Mitstreiter Philip Glass wollte er nie werden.

Sein Künstlerleben lang balancierte Conrad zwischen ernsthafter Ambition und spielerischer Ironie. Sollen sich doch die Kulturhüter die Köpfe heiß reden, ob an der Wand trocknende Farbe eine Filminstallation ist oder nicht.

Tyler Hubby heftete sich für seinen Film, dessen Fertigstellung Conrad, der 2016 starb, leider nicht mehr erlebte, über 20 Jahre an seine Fersen. Diesem Porträt gelingt es ganz wunderbar, Tony Conrad in all seiner steten Unstetigkeit zu zeigen und sein künstlerisches Credo zu feiern: Akzeptiere keine Grenzen! 

USA 2016, 96 Min., R: Tyler Hubby

Tony Conrad – Completely in the Present

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