Drama

Träum was Schönes  – Fai bei sogni

Ein Journalist mit Kindheitstrauma

Der italienische Regisseur Marco Bellocchio erzählt seit Jahren komplexe Geschichten, in denen sich das Private mit dem Politischen und dem Zeithistorischen verknüpft. So auch in dieser Verfilmung eines Romans von Massimo Gramellini. Der Titel bezieht sich auf die letzten ­Worte, die der kleine Massimo von seiner Mutter hört. Aber am nächsten Morgen ist sie nicht mehr da, die ­typischen Formulierungen eines Klerikers („Deine Mama ist jetzt dein Schutzengel“) reichen Massimo nicht. Im Gegenteil: Die Mutter wird für ihn zu einer lebenslangen Obsession, die Umstände ihres Todes und die Leerstelle, die sie hinterlassen hat, bestimmen Massimo auch noch, als er ein angesehener Journalist und Autor ist.

Träum was schönes
Träum was schönes
Foto: Simone Martinetto

Bellocchio ist ein Linksintellektueller des Kinos, der bei seinen Geschichten immer auf das Ineinandergreifen der Systeme (die Kirche, die Medien, die Parteien) achtet. Hier geht er von einer ödipalen Urszene aus (dem Jungen wird nicht das Geheimnis der Sexualität seiner Mutter eröffnet, sondern das Geheimnis ihres Todes verschlossen), und macht dann deutlich, was seit seinem berühmten Frühwerk „Die Faust in der Tasche“ (1965) ein Grundmuster seines Erzählens ausmacht: In Italien ist alles „Familie“. Hier bleibt vor allem der kleine Massimo in Erinnerung, eine Figur, die auch in einen Horrorfilm passen würde. 

I/F 2016, 134 Min., R: Marco Bellocchio, D: Valerio Mastandrea, Bérénice Bejo, Guido Caprino

Träum was Schönes

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