Kino

Transit

Immer wieder hat Christian Petzold ­Filme um Figuren gedreht, deren Vergangenheit bis in ihre Gegenwart reicht. Sie sind nicht mehr richtig da, wo sie einmal waren, aber auch nicht wirklich weg – und vor allem noch nirgendwo anders angekommen: eine Existenz (oder Nicht-Existenz) im Wartesaal des Lebens.

Transit
Transit
Fotos: Piffl Medien

Marie (Paula Beer) ist so eine Figur in „Transit“, der sehr freien Verfilmung eines 1944 erschienenen Romans der Schriftstellerin Anna Seghers. Sie verarbeitete ­darin die Schicksale von Emigranten, die in Marseille auf der Flucht vor den Nazis auf Visa nach Übersee warten.

Marie lebt in Marseille, vielleicht ­könnte sie Georg (Franz Rogowski) lieben. Tatsächlich aber wartet sie immer noch auf ihren Mann, von dem Georg längst weiß, dass er Selbstmord begangen hat. Die ­junge Frau weiß nicht, was tun – das macht den Plot um zwei Transitvisa unvor­hersehbar.

Petzold hat den Roman auf der ­visuellen Ebene in die Gegenwart verlegt, das funktioniert erstaunlich gut. Befreit vom Ballast historischer Dekos berührt das Emigrantendrama umso direkter. Mit einer ­Erzählerstimme, die Passagen des Romans vorliest, baut Petzold noch eine zweite Ebene ein, die mit ihren ­kleinen Diskrepanzen zu den Bildern für ­Irritation sorgt. Trotzdem hat die Story am Ende ­etwas von ­„Casablanca“, auch wenn auf Georg ­bestimmt keine wunderbare Freundschaft wartet. 

D/F 2018, 101 Min., R: Christian Petzold, D: Franz Rogowski, Paula Beer, Godehard Giese

Transit (2018)

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