Medienkultur

Transmediale

Ausdünnen, übersichtlicher machen: Das reformierte Medienfestival setzt ab 3. Februar auf Gesprächskultur

Kristoffer Gansing: Einsicht in die Notwendigkeit einer Programmreform. Foto: Transmediale
Transmediale-Leiter Kristoffer Gansing. Foto: Transmediale

Das Festival „Transmediale“, das am 3. Feb­ruar beginnt, ist mehr als eine jährliche Leistungsschau für Medienkunst. Ihr Markenzeichen ist bisher stets ein Jahresthema gewesen, das Kunst und Technik in einen sozialen und kulturellen Rahmen stellt, etwa die Digitalisierung des Lebens und neue Wissensparadigmen, die Vorstellungswelten verändern.
So ist die Transmediale zu einem Monu­mental-Festival gewachsen – und an die Grenzen ihres Formats, einer fünftägigen Veranstaltung im Haus der Kulturen der Welt. Kristoffer Gansing, in zweiter Amtszeit künstlerischer Leiter, hat nun zur diesjährigen Ausgabe eine Stellungnahme veröffentlicht, in der er von der Herausforderung für Veranstalter in einer Zeit schreibt, da Informations-Netzwerke Kunst und die Verständigung über sie schnell und dauernd verfügbar machen. Das sei der Punkt, an dem eine thematische Annäherung nicht mehr genug für ein Festival sei.
Auch Teilnehmer der „Transmediale“ hatten deren Format und Selbstbezogenheit bereits kritisiert. So sagt der Künstler Maurice de Martin, dass sich das Festival von dem weltweit einzigartigen, unberechenbaren Medienkunst-Konglomerat weit entfernt habe, das es bis Ende der 2000er-Jahre gewesen sei. „Eine immer gleiche Kurator*innen-­Familie lässt dabei eine immer größer werdende Gruppe von ,Content-Providers‘ (früher sagte man dazu Künstler/Artists) für ein immer diffuseres Publikum immer selbst­ähnlichere Events ausrichten“, schreibt de Martin Zitty. „Hier werden Strukturen reproduziert, gegen die man einst eigentlich einmal angetreten war.“

Whistleblower und Musiker

Jetzt stellen Gansing und sein Team die bisherige Form in Frage. „Conversation Piece”, wie die Ausgabe 2016 heißt, soll ein partizipatorisches Festival werden, ein Zusammenspiel unterschiedlicher „Streams“ oder Stränge, die sich um Handeln, Schaffen, Teilen und Sichern drehen. Das Team plant hy­bride Veranstaltungen, in denen eine Filmvorführung, eine Installation und ein Gespräch zugleich stattfinden können. Die zentrale Ausstellung wird von stetig veränderbaren Räumen und Darstellungsformen abgelöst. Gansing spricht von Möglichkeiten,„außerhalb größerer Events wie Keynotes oder Auditorium in Performances zu interagieren. Allerdings verlangt das, dass Besucher ein wenig Zeit und Aufmerksamkeit investieren müssen, da wir nicht den schnellen Kultur-Fix geben werden.“ Genau darauf hoffen die Kritiker.
Die Transmediale 2016 dürfte ein breiteres Publikum erreichen als ihre vorige Ausgabe. So wird der Musiker FM Einheit sein Berliner Klangarchiv der 80er-Jahre öffnen. Projekte stellen sich vor, die Edward Snowdens Dokumente sammeln. Und der virtuelle Popstar Hatsune Miku, eine von großen Firmen entworfene digitale Figur, soll die Zukunft von Konzerten ahnen lassen. ­Einen Vorgeschmack erhält das Publikum bei Partner-Veranstaltern der „Transmediale“ und des „CTM“  wie Acud, ZK/U und Spektrum.

Eröffnung: 3.2., 18 Uhr, Haus der Kulturen der Welt, John-F.-Dulles-Allee 10, Tiergarten, Eintritt zur Eröffnung frei, www.transmediale.de