KINDERTHEATER-WERKSCHAU

Tüfteln mit Tönen

Das „Berliner Schaufenster“ zeigt ausgewählte Stücke
für die ganz jungen Zuschauer

Minouche Petrusch, Benedikt Bindewald und Florian Bergmann in »Klangquadrat« – Foto David Beecroft

Text: Teresa Schomburg

Murmeln rollen über Teller, eine Geige verwandelt sich mit Glitzerperücke in einen Popstar, und ein Papierwesen macht Saltos. An drei Stationen experimentieren Komponist*in Neo Hülcker, Geigerin Akiko Ahrendt und der Puppenspieler Günther Lindner als Zauberlehrlinge mit verschiedenen Materialien, die alle auch Klänge erzeugen. Verbunden sind die drei durch Schnüre, die sie auf verschiedene Weise als Sprachrohr nutzen, indem sie etwa Papier­vögel im Kreis an der Leine herumschicken. Hinterher bekommen die ­Zuschauer noch viel Zeit, um selbst Hand an alle Materialien zu legen.

Klänge aller Art wie im Stück „Schnürchen“ füllen vielerorts den Raum bei der dritten Ausgabe des vom Theater o.N. initiierten „Berliner Schaufenster“. Die Werkschau-Reihe mit Produktionen aus der Hauptstadt wechselt sich ab jetzt alle zwei Jahre mit dem internationalen Fratz-Festival ab. Dort war 2017 Musiktheater im weitesten Sinne ein wichtiger Schwerpunkt, den das Theater o.N. in Forschungslaboren fortsetzte. „Die Präsentationen im Schaufenster runden diese Forschungen im Musiktheater nun für uns ab“, sagt Dagmar Domrös, eine der künstlerischen Leiterinnen.

Auch bei „Affinity“ und bei „Klangquadrat“ wird mit Tönen getüftelt. Bei ersterem geschieht das in einer verspielten Stimmchoreografie: Welche Sounds beruhigen, welche Rhythmen regen zum Mitschwingen an? In „Klangquadrat“ nutzen drei Performer ein Tonfeld aus drei mal drei Tönen für Klang-Tanz-Experimente.

All diese klangvollen Stücke richten sich an ein sehr junges Publikum ab zwei oder drei Jahren, „Affinity“ funktioniere sogar für Babys ab sechs Monaten noch besser als für deutlich ältere Kinder, sagt Domrös. Andere Stücke richten sich gezielt an ein etwas älteres Publikum ab vier oder fünf Jahren. Dazu gehören „Matti Patti Bu“ vom Fliegenden Theater, ein Klassiker der Schattenspiel-Kunst, und „Prinz Primel ist verschwunden“ der Gruppe Retrofuturisten, ein stärker erzählerisch ausgerichtetes Stück, in dem Musik aber ebenfalls eine wichtige Rolle spielt.

„Zusammen“ von der Kreuzberger Gruppe Zirkusmaria – Foto: Zirkusmaria

Gespannt erwarten kleine Fans die neue Inszenierung „Zusammen“ von Zirkusmaria, deren letzte Produktion „Zu Hause“ um verschiedene Spielarten des Daheimseins und der Heimatlosigkeit sehr begeisterte. Im neuen Stück ist nun das gemeinsame Leben in diesen Heimen Thema.

Über neue Spielarten des Theaters für die Jüngsten wird bei Fach-Präsentationen und Forschungs-Workshops diskutiert.

23.–29.4., diverse Orte, Eintritt 10 (in der Schaubude: 7), erm. 5 (Kinder) bis 7 €, www.fratz-festival.de/berliner-schaufenster

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