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Einer für Alle

Stimmt es, dass Sie eine kleine deutsche Fahne als Schlüsselanhänger haben?
Er ist leider kaputtgegangen, aber ich hatte ihn sehr lange.

Warum?
Weil ich dieses Land liebe.

Können Sie verstehen, dass manche Deutsche ein Problem mit Patriotismus haben?
Ich kann es nachvollziehen, finde es aber sehr, sehr traurig. Als zur Weltmeisterschaft jemand mit arabischem Ursprung in Neukölln eine elf Meter lange Deutschlandfahne aufgehängt hat – das fand ich toll. Aber sie wurde abgerissen.

Es gibt viele Vereine in Deutschland. Wozu jetzt noch einen?
Wir sind der erste multikulturelle, multiethnische und multireligiöse Verein in Deutschland, der eben kein Migrantenverein ist, sondern alle mit einschließt. 80 Prozent unserer Facebook-Freunde sind Altdeutsche. Das freut mich wahnsinnig, denn wir wollen nicht einfach nur Neudeutsche erreichen.

Die Vereinsgründung und -mitgliedschaft an sich hat ja schon bewiesen, dass sie typisch deutsch sind. Was gibt es jetzt noch zu tun?
Wir wollen nicht im Hinterhof miteinander sprechen, wir wollen Zeichen setzen. Besonders wichtig ist mir unser Schulprojekt „Deutschstunde“. Wir sprechen mit Schülern über Identität, Heimat und die damit verbundene Verantwortung.

Sie leisten also Integrationsarbeit?
Das Wort „Integration“ lehne ich grundsätzlich ab. Ich benutze das Wort „ressourcenarme Menschen“. Das heißt nicht immer, dass es an Geld mangelt. Vielleicht mangelt es auch an einem Vater oder einer Mutter, an sozialen Netzwerken. Diese Ressourcenarmut müssen wir bekämpfen.

Die Deutschen ohne Migrationshintergrund nennen Sie „Altdeutsche“. Das klingt als würden wir Sütterlin schreiben und Althochdeutsch sprechen.
Auch im Verein wurde das sehr kontrovers diskutiert. Die Begriffe „alt- und neudeutsch“ sind nicht perfekt, aber sie sollen eine Brücke sein. Neudeutsch heißt: Ich bin deutsch – aber ich bin auch noch was anderes.

Was war ihr bisher schönstes Erlebnis in der Vereinsarbeit?
Wir haben in einer Schule einen Jungen befragt – er entsprach von den Klamotten und vom Auftreten her genau dem Klischee vom Rabauken-Türkenjungen. Wir haben ihn gefragt: „Was bist Du?“ Alle anderen haben gesagt: Türke, Araber, Serbe … Und er sagte: „Ich bin ein Mensch. Und zweitens bin ich Deutscher, weil Deutschland mir alles gegeben hat, was ich bin. Da habe ich richtig Gänsehaut bekommen.

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