Westbams Club-ABC

U wie UFO

Das allererste UFO war ein echtes Kuriosum und Underground im besten Sinne. Man musste durch ein kleines enges Loch über eine Hühnerleiter in den Keller herabsteigen, um im vollkommen dunklen, nebelmaschinengeschwängerten Ambiente mit den höchstens 120 Leuten, die reinpassten, abzurocken.

Das zweite UFO war dann in einer ausrangierten Penny-Filiale in der Großgörschenstrasse. Ralf Regitz (später Loveparade, Planet, E-Werk) war Clubmanager und Elsa 4 Toys machte die Einrichtung, die schon damals einen stilbildenden Entwurf lieferte für alles, was dekomäßig erst in den 90ern toll wurde. Wir haben dort zwei Partys gefeiert, einmal „Educatio obligat“, wo wir als allererste Derrick May nach Berlin brachten, und bei „Acid im Irrenhouse“ standen mein Bruder Fabian und ich an den Decks.

Das UFO war die Keimzelle für House und Techno-Kultur in Berlin in einer Zeit, in der noch lange nicht klar war, dass diese Musik im Folgejahrzehnt mal so wichtig werden sollte. Wie alle Läden, die recht schnell dicht machten, wurde das UFO oft mythisch verklärt – tatsächlich aber war der Schuppen selten wirklich voll und lief eher schlecht als recht.

Techno und House als reines Westding wäre vielleicht auch nur ein kurzlebiger Trend geblieben, wäre nicht der Mauerfall gekommen und durch die geballte Energie des neuen Ostpublikums eine echte Bewegung entstanden. Einen Eindruck davon konnte man auf der Party zur zweiten Loveparade 1990 haben, bei der ersten war das ganze noch recht überschaubar.

 

Zeitpunkt des Besuchs: 1989 bis 1990
Addresse des Ladens: erstes UFO: Köpenicker Straße, zweites UFO: Großgörschenstraße
Typischer Track: „Move Any Mountain“ von The Shamen

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