Ateliers

Uferhallen Kunstaktien

Der Neue Berliner Kunstverein stellt künstlerisch gestaltete Wertpapiere aus, mit denen Mieter*innen der Uferhallen Wedding ihre Ateliers retten wollen. Ein Plan mit Hindernissen

©Jens Ziehe Photographie
Uferhallen Kunstaktion n.b.k. ©Jens Ziehe Photographie

Peter Dobroschke hat die Oberfläche seines Atelierbodens festgehalten: Graue Streifen und Abdrücke von Schuhen bedecken die Aktie, die der Künstler gestaltet hat. Das Blatt steht für die Hoffnungen der Künstlerinnen, die in den Uferhallen Wedding arbeiten: auf Mitsprache über die Zukunft der ehemaligen Reparaturhallen der BVG an der Panke, die Berlin 2006 an die private Uferhallen AG verkauft hat.

Im Neuen Berliner Kunstverein (NBK) sind jetzt 24 solcher Kunstaktien zu sehen.Im ersten Stock hängen die DIN-A3-Bögen an der Wand, Zeichnungen, Fotografien, auch plastische Elemente. Einige thematisieren die Uferhallen, andere geben Einblick in künstlerische Arbeit. Insgesamt 3.300 solcher Aktien gestalteten die über 130 Künstlerinnen 2011. Damals erwarb der NBK die ersten vier Blätter. Seitdem hat der Immobilienboom die Raumnot von Künstlerinnen vergrößert. „Seit Beginn des Projekts sind wir sehr an ihm interessiert, weil wir verfolgen, was mit Berlin als Produktionsstandort für Kunst passiert“, sagt Kurator Arkadij Koscheew.

©Jens Ziehe/Photographie
Ansicht der Ausstellung „Uferhallen Kunstaktien“ ©Jens Ziehe/Photographie

Mit einer Aktie erwarben Käuferinnen neben elf Quadrametern des Geländes die Rechte von Aktionärinnen. „Es hatte eine schöne Symbolik, sich den eigenen Raum erarbeiten zu können“, sagt Dobroschke. Zumal die Uferhallen AG vor acht Jahren in eine Publikumsgesellschaft umwandelt wurde, um die Anteile in möglichst viele Hände zu geben. Doch der Plan ging nicht auf. Nach Unstimmigkeiten zwischen den Gründern der AG und dem Verkauf vieler Aktien hielten 2017 nur noch drei Aktionäre 95 Prozent der Anteile. Für rund 27 Millionen Euro verkauften sie diese an die Investorengruppe Augustus Capital.

Eine schöne Absicht

Jetzt fürchten die Künstlerinnen, dass in den Uferhallen Luxuswohnungen entstehen, die den Atelierbetrieb einschränken und den Denkmalschutz missachten könnten. Auch sahen sich die restlichen Aktionäre durch die Gefahr eines „Squeeze Out“ bedroht. Das ist die rechtliche Möglichkeit eines Hauptaktionärs, unter bestimmten Umständen kleineren Aktionären die Anteile zu entziehen. Von einem Planungstreffen mit einem zuständigen Architekten 2017 zeigten sich die Künstlerinnen enttäuscht. Die Mieter setzten daher 2018 eine Absichtserklärung auf, die Kultursenator Klaus Lederer (Die Linke), Stadtrat Ephraim Gothe (SPD) und NBK-Direktor Marius Babias unterschrieben. Darin erklärt sich der NBK bereit, mit Unterstützung von Senat und Bezirk 20 weitere Aktien zu kaufen. Sie sind nun Teil der Ausstellung und der hauseigenen Artothek. „Der NBK will die Kunstwerke treuhändisch verwahren und das Gespräch zwischen Stadt, Mietern und idealerweise auch den Eigentümern anregen“, sagt Koscheew.

Doch bisher fühlen sich die Mieterinnen nicht ausreichend ernst genommen. Von der Stadt wünschten sie sich eine offene Kommunikation über die Bauvorhaben der neuen Eigentümer, sagt ein Sprecher der Initiative. Und darüber hinaus zukunftsweisende ­Genossenschaftsmodelle, die Wohn- und Kunsträume nicht gegeneinander ausspielen. 


Bis 28.4.: NBK, Chausseestr. 128/129, Mitte, Di–So 12–18, Do bis 20 Uhr, Eintritt frei