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Ultraschall Berlin

Zum 22. Mal versucht sich das Ultraschall Festival an einem
unmöglichen Unterfangen: Musik zu finden, die tatsächlich neu ist

Arbeitet mit Abfallprodukten: das Österreichische Ensemble für Neue Musik
Foto: Andreas Hechenberger und Markus Sepperer

In den Künsten heißt es ja oft, dass gar nichts genuin Neues mehr geschaffen werden kann. Jeder Gedanke ist gedacht, jedes Bild gemalt, jeder Klang erklungen, jeder Ton ertönt. Dann aber kommen die Veranstalter des Ultraschall Festivals um die Ecke und behaupten, dass es das doch gibt: Neue Musik. Blättert man durch das Programm der 22. Ausgabe, staunt man tatsächlich über den unerschütterlichen Innovationsdrang der ausgewählten Musiker*innen, die Dinge wagen, für die es keine Vorbilder gibt.

Da wäre zum Beispiel das Österreichische Ensemble für Neue Musik aus Salzburg, das im Heimathafen unter anderem das Stück „Kaput II“ von Manuela Kerer präsentiert: Es besteht aus den gestrichenen Noten anderer Werke, also quasi aus den gesammelten Abfallprodukten der Südtiroler Komponistin, die sie zu einem neuen Werk recycelt hat. Da sie diese Noten mehr oder weniger aus der Mülltonne geholt hat, verpackt sie auch die Instrumente in transparente Müllsäcke. Das Streichquartett „A Failed Entertainment“, das die italienische Komponistin Clara Iannotta als Gast des Berliner DAAD-Künstlerprogramms geschrieben hat, nimmt Bezug auf den genialen US-amerikanischen Autor David Foster Wallace und beinhaltet neben Streicherklang auch Tischglocken, Styropor und Vogelpfeifen. In zwei weiteren Streichquartetten setzt sie sich mit „Toten Wespen im Marmeladenglas“ auseinander und widmet den verstorbenen Insekten schließlich auch einen Nachruf.

Die Gruppe Kommando Himmelfahrt und der Komponist Kaj Duncan David beziehen sich in ihrem elektronischen Musiktheater „Also sprach Golem“ auf den polnischen Science-Fiction-Autor Stanislaw Lem und seine Idee des Supercomputers GOLEM XIV, der den Menschen als Krone der Schöpfung in Frage stellt. Nachdem es Google angeblich gelungen ist, einen Quantencomputer zu bauen, ist auch dieses Szenario kein fernliegendes mehr, sondern ein ziemlich gegenwärtiges. Bei all den Frankenstein-Ängsten, die wir in Künstliche Intelligenzen hineinprojizieren, kann man darin auch eine Chance sehen: Wenn dem Menschen eines Tages wirklich nichts Neues mehr einfällt, dann könnten die Computer unsere Rettung sein.Thorsten Glotzmann

Mi 15.1. – So 19.1., Haus des Rundfunks, Heimathafen Neukölln, Radialsystem V, Akademie der Künste, VVK Einzeltickets 15–18 €,
www.ultraschallberlin.de