Kino

Und der Zukunft zugewandt

Eine deutsche Kommunistin kehrt aus einem sowjetischen Gulag in die DDR
zurück und muss über die Verbrechen Stalins schweigen

Antonia Berger (Alexandra Maria Lara) steht mit geschlossenen Augen vor einem Baum, der in wenigen Sekunden fallen wird. In letzter Sekunde wird sie von ihren Freundinnen zurückgerissen. Obwohl die deutschen Kommunistinnen kaum noch hoffen, dem Gulag, in den sie Stalin zu Unrecht verbannte, zu entkommen. 1952 erwirkt Arthur Pieck ihre Rückkehr in die DDR. Der Staat verwöhnt die Frauen mit Wohnungen samt Warmwasser, Fernsehapparaten und begehrten Arbeitsplätzen. Die Partei verplant ihr Leben, über ihre Erlebnisse in der Sowjetunion müssen sie schweigen. Zu groß ist die Angst der Machthaber, die Wahrheit über die Verbrechen Stalins könne die Bevölkerung der DDR beunruhigen.

Und Der Zukunft Zugewandt
Foto: Neue Visionen Filmverleih

Inspiriert vom Schicksal der Familie von Swetlana Schönfeld, die in einem Lager nördlich Wladiwostoks geboren wurde, porträtiert Bernd Böhlich eine Kommunistin, die trotz aller Repressalien weiter an die Ideen von Marx glaubt und an dem ihr auferlegten Redeverbot erstickt. Die stalinistische Paranoia lag bis 1989 bleiern über dem Land. Erst in der Nacht des Mauerfalls fragt die verhärmte Antonia, wann die Chancen verpasst wurden, sich der Vergangenheit zu stellen und Reformen einzuleiten.

Ganz klassisch erzählt, besticht der Film durch die historisch genaue Authentizität und die Kraft der intelligenten Geschichte. Für Alexandra Maria Lara ist es die Rolle ihres Lebens. Mit kleinen Gesten und Blicken macht sie den inneren Gemütszustand Antonias, ihre Verzweiflung im Gulag, ihren Optimismus und das langsame Zerbrechen transparent. Zumindest eine Filmpreis-Nominierung sollte ihr sicher sein.

D 2019, 108 Min., R: Bernd Böhlich, D: Alexandra Maria Lara, Robert Stadlober, Karoline Eichhorn, Stefan Kurt, Peter Kurth, Jürgen Tarrach, Start: 5.9.