FILMADAPTION

Underground

aufBruch zeigt ein Kellerspiel über Krieg, Isolation und Flucht – aber auch politische Hoffnung

Waffenproduzenten im Untergrund: Gefängnistheater aufBruch – Foto: Thomas Aurin

Emir Kusturicas preisgekrönter Film „Underground“ erzählt die Geschichte Jugoslawiens vom Überfall der Nazis bis zum Krieg in den 90er-Jahren, der zur Selbstzerfleischung des Vielvölkerstaats führte. In der Dramatisierung von aufBruch wird diese Geschichte zweier fröhlicher Gauner-Brüder ganz dem Drehbuch folgend durchgespielt.

Marko und Blacky gehen in den Untergrund, werden Waffenproduzenten und beschaffen durch ihr „Handwerk“ genug Geld, um den kommunistischen Widerstand unter Tito zu unterstützen. Als der Krieg vorbei ist, macht Marko mit dem Geschäft weiter und hält die im Untergrund Gebliebenen im Glauben, der Krieg ginge weiter.

Die komisch-absurde Ebene beschäftigt Regisseur Peter Atanassow mit seinem gemischten Ensemble aus Schauspielern, Freigängern und Ex-Inhaftierten kaum. Ihn interessieren die Themen Krieg, Flucht und Eingeschlossensein.

Das Spiel im Gewölbekeller, in dem tatsächlich im Zweiten Weltkrieg V2-Waffen produziert wurden, ist ein in Teilen konventionelles Rollenspiel, ein Stationenstück mit Kapelle, Maschinenpistolenknallerei und NS-Wochenschau-Einblendungen. Die patriarchalischen Brüder, die „alle Faschisten töten“ wollen, tragen als Kontrahenten die Inszenierung. Am Ende fährt dann ein großes Schlauchboot mit Geflüchteten an uns vorbei, der Krieg dauert an. AXEL SCHALK

26.–30.9., 19.30 Uhr, Gewölbekeller, Straßburger Str./Ecke Saarbrücker Str., Prenzlauer Berg. Regie: Peter Atanassow. Eintritt 15, erm. 10 €