Glückssucher

≈ [ungefähr gleich]

Alle sind gleich, manche sind gleicher – zeigt Mina Salehpours muntere Inszenierung von Jonas Hassen Khemiris Stück

ZITTY-Bewertung: 4/5
ZITTY-Bewertung: 4/5

Zum Beispiel Andrej, einer von zwei Söhnen einer alleinerziehenden Mutter, die den Champagner zur Feier seiner Abschlussprüfung erst genießen kann, als sie erfährt, dass es doch nur Sekt ist – weil alles andere nur Verschwendung wäre von Geld, das chronisch fehlt. Währendessen will der kleine Bruder seine erste neue, also nicht von Andrej bereits aufgetragende Jacke gar nicht mehr ausziehen.

Drei von 20 Personen in Jonas Hassen Khemiris Stück „≈ [ungefähr gleich]“, das der ­Frage nachgeht, inwiefern wir uns dadurch verändern, „dass wir in einer Gegenwart ­leben, die sich auf Kredit gründet?“

Menschen zwischen Scheitern und Konfetti – Foto: Gianmarco Bresadola
Menschen zwischen Scheitern und Konfetti – Foto: Gianmarco Bresadola

Ätzend seziert Khemiri, studierter Ökonom, anhand seiner Protagonisten die Folgen einer vom Neoliberalismus „auf Zahlen reduzierte Welt“. So kann man ja auch mal die Kosten-Nutzen-Rechnung erfolgloser Bewerbungen aufmachen: „Man verliert 60 Cent pro Briefmarke, 20 pro Kuvert, 18 für jeden Ausdruck und 12 pro Zeugniskopie – macht zusammen 110 Cent pro Bewerbung,. Das macht bei 100 erfolglosen Bewerbungen …“ Von wegen, man habe nichts zu verlieren.

Auf vier Schauspieler hat Mina Salehpour in ihrer munteren Inszenierung die Figuren verteilt und lässt sie mit Ironie und Konfetti so souverän und heiter durch ihre meist prekär lebenden Rollen switschen, dass der Aberwitz unserer marktoptimierten Gesellschaft zwischen Negativ­zins und Rubbellos-Hoffnung nonchalant kenntlich wird. Toller Abend.    FRIEDHELM TEICKE

8.3., 20 Uhr, 10. + 11.3., 19.30 Uhr, Schaubühne Studio, am Lehniner Platz, Wilmersdorf. Regie: Mina Salehpour; mit Iris Becher, Alina Stiegler, Bernardo Arias Porras, Renato Schuch. Eintritt 15 €