ROMAN-ADAPTION

Unterleuten

Juli Zehs Sittengemälde eines ­Brandenburger Dorfes als Krimi­theater mit Tiefgang

Dörfler: R. Kuchenbuch, C. Hohmann – Foto: Franziska Strauss

Diese Inszenierung ist ungewöhnlich für ein Boulevardtheater, das lange im Slo­gan „Stars und Vergnügen“ versprach.

Stars, bekannt aus Funk und Fernsehen, sind hier keine dabei, sieht man von der Potsdamer Lokalgröße Rita Feldmeier ab, seit 1976 im Ensemble des Hans Otto Theaters zuhause. Von dort stammt ursprünglich auch die Inszenierung des ehemaligen Hans-­Otto-Intendanten Tobi­as Wellemeyer und eine vergnügliche Komödie ist diese dreistündige Adaption des 650-Seiten-Romans von Juli Zeh auch eher nicht, auf schnelle Lacher ist diese Produktion nicht aus. Mutig von Intendant Martin Woelffer.

Dafür bekommt sein Publikum ein sich ob der Figurenfülle (14 Schauspieler spielen 27 Figuren) langsam, aber zunehmend spannend entwickelndes Kriminalthea­ter geboten, das gleichzeitig Milieustudie des Typengeflechts eines Nachwende-Dorfes in Brandenburg ist.

Freilich sind die meisten Figuren eher stereotyp gezeichnet, dafür ist die Handlung allerdings ziemlich komplex. Aber Wellemeyer gelingt es in temporeichem Szenenspiel das Sittengemälde eines durch DDR-Kollektivierung, Treuhand-Zersplitterung, Berliner Stadtflüchtlinge und Windrad-Goldgräberstimmung gepeinigten Dorfs zu zeichnen, dessen Bewohner viele alte Rechnungen offen haben. FRIEDHELM TEICKE

9.–11.5., 14.–18.5., 20 Uhr, 12.+19.5., ­18 Uhr, Komödie am Kurfürstendamm im Schillerthea­ter, Bismarckstr. 110, Charlottenburg. Regie: Tobias Wellemeyer; mit Dirk Schoedon, Katrin Hauptmann u.a., Eintritt 13–42 €