Westbams Club-ABC

V wie Vereinsheim

Schon in den goldenen 90er-Jahren war die Gegend rund um die Köpenicker Straße ein Mekka des Nachtlebens in Berlin. Irgendwo zwischen dem während der kurzen Lebenszeit des Vereinsheim wohl schon geschlossenen Walfisch (heute Sage Club und Kitkat) und Planet (heute Kater Holzig) bot jene Location kurzzeitig einem harten Kern von Ravern eine Heimat.
Dieser weitgehend vergessene Laden lag in einem uralten, mehrstöckigen, sehr verwinkelten und heute längst abgerissenen Haus. In Erinnerung ist mir das Vereinsheim vor allem geblieben, weil der Club von Freunden aufgeregt empfohlen wurde – als allererste Location, in der man im Rahmen eines von Freitag bis Montag währenden Clubwochenendes ohne Probleme auch mal eine Runde schlafen könne. Das hat mich zugegebenermaßen weit weniger fasziniert als die Erzähler.

Tatsächlich war ich nur ein einziges Mal da. Es spielte der damals noch völlig unbekannte Paul Kalkbrenner eins seiner frühen DJ-Sets und siehe da, in der oberen Etage, im Chillout schliefen um ein brunnenähnliches Wasserbecken herum tatsächlich ein paar Menschen, die ich als Gäste des Exit identifizierte. Dort war „im Club schlafen“ damals noch nicht so angesagt.

Einer der führenden Köpfe des Vereinsheims war neben Tanith die rührige DJane MackBeth, deren Namen noch heute daran erinnert, dass sich DJs ihre Künstlernamen in jenen Tagen noch fantasievoll zum Beispiel aus der Welt der Literatur entlehnten, statt einfach nur Marcus Schultze zu heißen.

 

Zeitpunkt des Besuchs: 1994
Addresse des Ladens: Michaelkirchstraße
Typischer Track: Einiges von Roel Butzen und Yves De Ruyter

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