Barock

Velázquez und das wenig goldende Zeitalter

Als ein früher Naturalismus das katholische Spanien feierte – und doch die protestantischen Niederlande mit Rembrandt und Vermeer siegten

Propagandabilder waren es, die Velázquez schuf, so lautet die These der Ausstellung, die die Gemäldegalerie jetzt zeigt: mit rund 130 Exponaten auch von Velázquez’ Kollegen El Greco, Zurbarán und Murillo. In drei Kapitel soll sie die Kunst jener Zeit als Kondensant jener politischer Verschiebungen thematisieren  – die sich auch im schrumpfenden Reichtum ihrer Auftraggeber spiegelten.
Denn so glänzend war das „Goldene Zeitalter“ in Spanien gar nicht.

Holländische Tulpen

Protestantismus und der junge Kapitalismus mit seinen Tulpenaktien ließen die Niederlande mit ihrem starken Bürgertum rasch zu einer gefährlichen Konkurrenz für das katholisch-­höfische Spanien werden. Und dann waren da ja noch Rom, Venedig und Kons­tantinopel, die die Wege über das Mittelmeer kontrollierten. Schwere Zeiten für den Clan von Philipp IV., der in  Madrid die Seemacht Spanien lenkte.
In dieser Zeit des Umbruchs, der in Mittel­europa in den Dreißigjährigen Krieg münden sollte, lernte Diego Velázquez zu malen. In seinem Werk finden sich Einflüsse der Italiener genauso wie der Niederländer, vor allem in seinem dunklen Naturalismus, der in Spanien Schule machte. Seine Themen aber blieben durch und durch mediterran. Auch nach der Unabhängigkeit der Niederlande von Spanien posierte der Madrider Adel bei ihm stolz, als gehöre ihm die Zukunft.

Bis 30.10.: Gemäldegalerie, Kulturforum, Matthäikirchplatz, Tiergarten, Di, Mi , Fr 10–18, Do 10–20, Sa/So 11–18 Uhr, 14/ erm. 7 €, bis 18 J. frei