Biennalen

Berlin auf der Venedig Biennale

Da hat sich so mancher gewundert: Die internationale Jury der 54. Venedig Biennale verlieh Deutschland den Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag. Beim letzten Mal, 2001, durfte ihn der heutige Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann für Gregor Schneiders „Totes Haus u r“ abholen. Nun war seine Nachfolgerin am Frankfurter Kunstmuseum, Susanne Gaensheimer dran. Ausdrücklich hob die Jury ihre kuratorische Leistung hervor. Dabei hatte sie sich bereits mit der Nominierung des Berliner Film- und Theaterregisseurs Christoph Schlingensief für den Pavillon einer Kunstausstellung Ärger eingehandelt (zitty 12/11). Als Schlingensief im August 2010 verstarb, entschloss sich Gaensheimer, die Bühneninstallation des Fluxus-Oratoriums „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ von 2008 im zentralen Saal des deutschen Pavillons zu rekonstruieren. Dort füllt sie nun mit ihren Videoprojektionen, Soundeffekten und Objekten den ganzen Raum. Im rechten Seitenflügel laufen sechs Filme von Schlingensief, im linken befinden sich Modelle und Fotos des „Operndorf“-Projekts, das Schlingensief in Burkina Faso gestartet hatte. Ästhetisch fällt diese dreiteilige Präsentation auseinander, und Schlingensiefs theatralisches Austreibungsexerzitium wird zum egomanen Totenrequiem, in dem sich das kreative Potential nur andeutungsweise vermittelt.

Da hat sich so mancher gewundert: Die internationale Jury der 54. Venedig Biennale verlieh Deutschland den Goldenen Löwen für den besten nationalen Beitrag. Beim letzten Mal, 2001, durfte ihn der heutige Direktor der Nationalgalerie Udo Kittelmann für Gregor Schneiders „Totes Haus u r“ abholen. Nun war seine Nachfolgerin am Frankfurter Kunstmuseum, Susanne Gaensheimer dran. Ausdrücklich hob die Jury ihre kuratorische Leistung hervor. Dabei hatte sie sich bereits mit der Nominierung des Berliner Film- und Theaterregisseurs Christoph Schlingensief für den Pavillon einer Kunstausstellung Ärger eingehandelt (zitty 12/11).

Hommage an Schlingensief

Als Schlingensief im August 2010 verstarb, entschloss sich Gaensheimer, die Bühneninstallation des Fluxus-Oratoriums „Eine Kirche der Angst vor dem Fremden in mir“ von 2008 im zentralen Saal des deutschen Pavillons zu rekonstruieren. Dort füllt sie nun mit ihren Videoprojektionen, Soundeffekten und Objekten den ganzen Raum. Im rechten Seitenflügel laufen sechs Filme von Schlingensief, im linken befinden sich Modelle und Fotos des „Operndorf“-Projekts, das Schlingensief in Burkina Faso gestartet hatte. Ästhetisch fällt diese dreiteilige Präsentation auseinander, und Schlingensiefs theatralisches Austreibungsexerzitium wird zum egomanen Totenrequiem, in dem sich das kreative Potential nur andeutungsweise vermittelt.

So huldigt die Juryentscheidung eher der nonkonformistischen Künstlerpersönlichkeit und einem Zeitgeist, der Kunst und Theater zusammenführt. Denn ob in den Länderpavillons oder in der internationalen Ausstellung: Man findet die Bühnen-Kunst und die Kunst-Bühnen überall. Im holländischen Pavillon etwa, wo die Künstler die calvinistische Theaterversion zum Katholiken Schlingensief servieren, oder bei den Briten, wo Mike Nelson sein Publikum durch die Rekonstruktion eines osmanischen Hauses pirschen lässt und zum investigativen Akteur macht – Gregor Schneiders „Totes Haus u r“ lässt grüßen.
Kunst-Bühnen par excellence gaben auch die fünf von der Schweizer Biennale-Direktorin Bice Curiger ins Leben gerufenen „Para-Pavillons“ ab. Sie wurden von fünf Künstlern gestaltet, die wiederum Kolleginnen und Kollegen in die temporären Behausungen einluden. Darunter war auch so mancher Berliner, Cyprien Gaillard etwa. Er kam in Song Dongs hölzernem Elternhaus aus Peking unter.

Gesucht: der aktive Zuschauer

In Curigers  „Illuminations“ genannter Ausstellung erzählt zudem das Video des in Berlin lebenden Israeli Omer Fast in Beckett’scher  Manier von Traumata US-amerikanischer Bomberpiloten. Im türkischen Pavillon surrt und prustet die Wasseraufbereitungsanlage der Berlin-Istanbuler Künstlerin Ayse Erkmen eindrücklich und fordert – auch das ist Theater – den aktiven Zuschauer.
Überhaupt kann man die 54. Venedig Biennale aus Berliner Sicht unter „Erfolg“ verbuchen. Die Nationalgalerie feierte sich am Donnerstagabend vor der Eröffnung bei Spritz und Prosecco auf dem Markusplatz. Ganz Venedig ist eine Bühne. Berliner Bühnen-Künstler von höchstem Niveau dann auch am Schluss der Curiger-Schau im Arsenal: die provisorischen, glamourösen Showtreppen der venezianischen Berlinerin Monica Bonvicini, auf die man sich müde träumen mag.
Vom Fascho-Fassaden-Memorial des schwedischen Wahlberliners Karl Holmquists, von Christine de la Garennes Video im Pavillon der südamerikanischen Länder oder von den Mülleimern Klara Lidéns wäre noch zu berichten. Sie haben nicht gestört und haben nicht geärgert. Was will man mehr von einer Biennale, die allen Unkenrufen zum Trotz wirklich Gutes zu bieten hat.