Underground

Verdammt noch mal Berlin – Fucking City Revisited

Verdammt noch mal Berlin – Fucking City Revisited
Foto: Lothar Lambert

West-Berlin! Der einstige Sehnsuchtsort für Tagediebe und Andersdenkende zehrt längst nur noch vom Glanz vergangener Tage. Welches Lebensgefühl hier verloren gegangen ist, wird umso deutlicher, hat man das Vergnügen, den 39. Film von Lothar Lambert zu sehen. Eine Art Dokumentarfilm, reich an Zitaten aus Filmen und Gesprächen mit Freunden und Mitstreitern. Natürlich ist „1 Harlem Berlin“ dabei, Lamberts Aufarbeitung seiner Liebesgeschichte mit einem US-Soldaten. Oder „Fucking City“ von 1981, einer von seinen größten Erfolgen.

Inzwischen braucht Lothar Lambert, Jahrgang 1944, einen Stock, wenn er durch die moderne Hauptstadt flaniert. Er führt zu den Orten, wo Klaus Nomi auftrat, wo die Travestie-Shows Spaß ­garantierten und wo all die unabhängigen ­Kinos standen.

Humor und Lebenslust, ein Faible für Randfiguren. Sie trudeln durch Lamberts Filme, die stets im Alleingang entstanden: Idee, Regie, Kamera, Schnitt, Ton. Was vor der Kamera geschah, wurde von der Improvisationslust der Darsteller geprägt. Sie kamen aus dem Freundeskreis: Eva ­Ebner, Erika Rabau, Dagmar Beiersdorf, Hans Marquardt und, immer wieder, Lambert selbst. Trash, Lust am Leben und am Experiment – kinky Sex oder großes Drama: Lambert will alles in seinen Filmen. Und so werden ihm die Ethno- und Soziologen dereinst danken, für diese Fundgrube des Underground. 

D 2017, 112 Min., R: Lothar Lambert, D: Arnfried Binhold, Dennis Buczma, Anna Dörrast