Berliner Kunsthäuser

Vermisst

Eine Kunstausstellung im Haus am Waldsee widmet sich Franz Marcs verschollenem Bild  „Der Turm der blauen Pferde‟

Um Franz Marcs großes Pferdegemälde von 1913 ranken sich Legenden. Das Bild mit vier vertikal gestaffelten Rössern, einst in der Nationalgalerie beheimatet, war in München 1937 als „Entartete Kunst“ zu sehen, wurde daraus jedoch entfernt, weil der deutsche Leutnant Marc im Ersten Weltkrieg tödlich getroffen worden war. Nach dem Zweiten verschwand es.

© Roman März
Ausstellungsansicht. Christian Jankowski, Leihgabe, 2017 Via Lewandowsky, YOU, YOU, YOU, UNFORGETTABLE BLUE, 2017 Arturo Herrera, Untitled, 2016 © Roman März; Christian Jankowski

Krieg und Frieden, Nazis und Kunst, das sind Strichworte genauso für Forscher und Juristen wie für Autoren von Groschenheften und B-Movies. Diese Spannung nutzen zwei Ausstellungen in der Münchener Graphischen Sammlung und dem Berliner Haus am Waldsee, die später in Rotterdam fusionieren sollen: mit Arbeiten von 20 Zeitgenossen zu Marcs verschwundenem Bild. Doch in Berlin liegt es kaum einem Teilnehmer, ein gesetztes Thema zu bedienen. Norbert Bisky und Via Lewandowksy (Abb.) haben es nur metaphorisch illustriert. Rémy Markowitsch immerhin liefert in einer Filminstallation die Hintergrundinfos. Allein Christian Jan­kowski rührt am Kern der Sache. Als ob er das reale Gemälde von den Staatlichen Museen entliehen hätte, zeigt er Verträge mit echten Unterschriften und einen Film vom Transport. Doch im Haus am Waldsee kommt nur eine Glasscheibe an, und so bleibt die bange Frage im Raum stehen, was wir alle eigentlich in dem verschollenen Kunstwerk sehen.

Bis 5.6.: Haus am Waldsee, Argentinische Allee 30, Zehlendorf, Di–So 11–18 Uhr, 7/ erm. 5 €.

Nächste Veranstaltung: 20.4., 19.30 Gespräch mit mit Christian Jankowski, Norbert Bisky u.a.

 

Christian Jankwoski zerlegt einen Mythos

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