Kino

Vom Gießen des Zitronenbaums

Ein Mann ohne Namen lebt in einem Land ohne Namen – die Ausgangssituation im neuen Film von Elia Suleiman. Der Regisseur spielt selbst den namenlosen Mann, einen Slapstick-Helden, der kaum ein Wort sagt. Stattdessen wird er zum Zeugen radikaler Absurdität. Wo immer er hinkommt, nimmt er vor allem seltsame Vorgänge wahr. Er reist nach Paris, später nach New York. Er möchte einen Film über sein Land machen, das Land ohne Namen, genauer gesagt: das Land, das einen Namen trägt, den es nicht verwenden darf.

Vom Gießen des Zitronenbaums
Foto: Neue Visionen Filmverleih

Elia Suleiman kommt aus Palästina. Geboren als Sohn christlicher Palästinenser in Jerusalem, ist Suleiman heute der wichtigste Filmemacher eines Volks, das seit Jahrzehnten um einen eigenen Staat kämpft.

Suleiman erzählt also eine Geschichte, die vom Konkreten ins Utopische geht. Am Anfang geht es um einen Zitronenbaum, dessen Früchte man sich eigentlich gut teilen könnte, aber schon da gibt es Grenzen der Großzügigkeit und territoriale Pedanterie. Suleimans Kino ist auf Widersprüche gebaut: Ausgelassenheit und Starrheit, Ekstase und Trübsinn, Entfesselung und Komposition. Viele Szenen erzählen sehr konkret vom Leben in Israel, unter der Besatzung. Es zeigt sich aber auch gerade in der Komik etwas, was darüber hinausgeht. Etwas jenseits von Politik und Geschichte, jenseits von Suleimans Lebenserfahrungen.

F/D/CAN/TK/PAL 2019, 97 Min., R: Elia Suleiman, D: Elia Suleiman, Gael García Bernal, Ali Suliman, Start: 16.1.

Kinotermine:

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