Kino

Vom Lokführer, der die Liebe suchte …

Der Berliner Regisseur Veit Helmer will die Poesie auf die Leinwand bannen, das gelang mal exzellent wie im ­Langfilmdebüt ­„Tuva­lu“ (1999), mal weniger gut wie in „Baiko­nur“ (2011). Nun zog es Helmer ­erneut nach Baku, die Hauptstadt Aserbaidschans. Dort sind im Stadtteil Schanghai die Bahnschienen so nah an die Häuser gebaut, dass sich die Bewohner in Sicherheit bringen müssen, wenn ein Zug kommt.

Lokführer Nurlan (Miki Manojlović) und sein Gehilfe (Denis Lavant) reißen bei der Durchfahrt durch die Gasse immer wieder Kleidungsstücke der Bewohner mit dem Zug mit. Nurlan bringt den Einheimischen nach Feierabend ihre Dinge zurück. Am Tag vor seiner Pensionierung pflückt er ein besonderes Kleidungsstück auf: einen edlen BH. Doch wem gehört dieses kostbare Stück? Nurlan beginnt die Häuser abzuklappern nach der bestimmt wunderschönen Frau, der der BH passt. Und dann ist da noch Aziz (Ismail Quluzade), jener Junge, der die ­Menschen warnt, bevor wieder ein Zug durchfährt.

Ob ihr auch der Spitzen-BH gehört? Foto: Neue Visionen

Dem bunten Treiben in der märchenhaften Szenerie zuzuschauen, zu sehen, wie ­Helmer ohne ein gesprochenes Wort nie den ­erzählerischen Faden verliert – das ist eine ­verspielte Freude. Grimm’sche ­Märchen standen hier ebenso Pate wie ­Jacques Tati oder die leichte Melancholie eines ­Buster Keaton – der kam ja auch ohne ­Worte aus.

D 2018, 90 Min., R: Veit Helmer, D: Miki Manoj­lović, Denis Lavant, Chulpan Khamatova, Ismail Quluzade, Start: 7.3.

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