Kino

Vor uns das Meer

„Wenn ich als Amateur es schaffe, dann kann es jeder schaffen!“ Mit diesem betonten Optimismus meldet sich ein Mann 1968 zur Teilnahme an einer Segelregatta rund um die Welt.

Vor uns das Meer
Vor uns das Meer
Foto: StudioCanal

Donald Crowhurst ist eigentlich Ingenieur, doch seine letzte Erfindung, ein Navigationsgerät, verkauft sich noch nicht. Das Preisgeld der Regatta könnte ihm und seiner fünfköpfigen Familie helfen. Crowhurst ist allerdings eher ein Wochenendsegler, sein selbst entworfener Trimaran kaum hochseetüchtig. Ist es nachvollziehbar, dass er das Risiko trotzdem auf sich nimmt? Ist Donald Crowhurst, der schließlich an letztmöglichen Tag, dem 31. Oktober 1968, zu der Non-Stop-Weltumsegelung aufbricht, ein tragischer Held? Oder nur jemand, der die eigenen Fähigkeiten grandios überschätzt? Fragen, die seit seinem spurlosen Verschwinden nach 243 Tagen allein auf See immer wieder gestellt wurden.

Als seine Konkurrenten nach und nach aus dem Rennen ausscheiden, schlägt für Crowhurst die Stunde der Wahrheit – nicht länger kann er heimkehren als tapferer, aber unterlegener Weltumsegler, dessen gefälschtes Logbuch niemanden interessiert. In dieser hoffnungslosen Situation verfällt Crowhurst dem Wahnsinn.

Was der Film von James Marsh allerdings herunterspielt, der seinen Protagonisten vor allem als liebenden Familienvater porträtiert. Selbst, wenn man nicht erwartet, dass der Film eine ultimative Antwort gibt, ist das doch zu wenig, zumal mit Simon Rumleys parallel entstandener Low-Budget-Version derselben Geschichte eine überzeugendere Alternative vorliegt: sein „Crowhurst“ zeigt die Reise in den Wahnsinn in halluzinatorischen Bildern. Dafür karikiert er die Nebenfiguren, den Sponsor, der Crowhurst einen ruinösen Vertrag aufzwingt und den PR-Agenten, der Crowhursts Erlebnisse aufbauscht. Bei Marsh erscheinen beide als eher wohlwollende Personen. Schade, dass diese dramatische Geschichte hier so weichgespült wurde. So muss sich der Interessent aus dem gerade neuaufgelegten Buch „Die sonderbare letzte Reise des Donald Crowhurst“ von Timlin & Hall selber informieren.

The Mercy (OT) GB 2018, 112 Min., R: James Marsh, D: Colin Firth, Rachel Weisz, David Thewlis, Ken Stott, Start: 29.3

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