Politsatire

Vorwärts immer!

Die DDR im Oktober 1989. Die große ­Frage steht im Raum: Wie wird die Staatsführung auf die kommende Riesendemo in ­Leipzig reagieren? Wird es zu einem ­Massaker ­kommen? Der Theaterschauspieler Otto Wolf (Jörg Schüttauf) hat ganz andere Probleme: Er soll als Erich Honecker in einem gesellschaftskritischen Stück glänzen, ist aber mit sich selbst unzufrieden und hat zudem seinen ewigen Konkurrenten Harry Stein (Devid Striesow) im Nacken.

Doch als er fährt, dass seine Tochter Anne (Josefine Preuß), unterstützt von dem ­Rebellen August (Jacob Matschenz), nach Leipzig zur Demo unterwegs sind, muss er handeln. Denn dort soll laut ­einer ­sicheren Quelle scharf geschossen werden. Der ­heikle Plan von Wolf und seinen Schauspieler­kollegen: Weil der echte ­Honecker auf der Jagd ist, soll Wolf als falscher Erich im ­Zentralkomitee den Schießbefehl zurücknehmen.

Eine Satire über Honecker – eine Ansammlung von potenziellen Stolperfallen! Zum einen: Der Generalsekretär des Zentralkomitees der Sozialistische Einheitspartei Deutschlands wirkte mit seinem ­Gebrabbel mitunter selbst wie eine Karikatur und ist also nur schwer zu toppen. Zum anderen: Besetze einen Schauspieler, der den mächtigsten Mann der DDR glaubwürdig verkörpert. Und dazu: Finde ein Mittel, trotz der Satire den Unrechtsstaat nicht zu verharmlosen. Und erzähle eine Geschichte, die dem Ganzen standhält. Man darf konstatieren: Die 1973 in Leipzig geborenen Regisseurin Franziska Meletzky und ihr Team haben ­diese selbst gewählte Mammutaufgabe größtenteils gestemmt.

Vorwärts immer Foto: Nadja Klier DCM

Das Erstaunliche an diesem ungewöhnlichen Film: Es sind die ­hanebüchenen ­Situationen des falschen Honecker, die überzeugen.

Der wunderbar aufspielende Jörg Schüttauf stolpert durch einen Plot, der vom Verwechslungs-Ansatz her an ­Lubitschs „Sein oder Nichtsein“ erinnert und in dem sich eine haarsträubende ­Szene an die nächste reiht. Das macht Spaß, auch weil man es schnell hinnimmt, dass der falsche Honecker dem echten nicht wie ein Ei dem anderen gleicht. Schwächer sind dann eher die melodramatischen Sequenzen rund um das Töchterlein. Ein mutiger Film, nicht komplett überzeugend, aber sehr erfrischend. 

D 2017, 90 Min., R: Franziska Meletzky, D: Jörg Schüttauf, Josefine Preuß, Jacob Matschenz, Devid Striesow

Vorwärts immer!

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