Kino

Waldheims Walzer

„Vielleicht ist es kein Zufall, dass das alte Material gerade jetzt auftauchte“, sagt die Regisseurin Ruth Beckermann an einer Stelle ihres Kommentars über ein altes Videoband mit Aufnahmen, die sie 1986 bei einer Protestkundgebung gegen den damaligen österreichischen Präsidentschaftskandidaten Kurt Waldheim machte, zuvor UN-Generalsekretär.

Auf einer ersten Ebene dreht sich ihr Film um die sogenannte Waldheim-Affäre, die mittlerweile schon ein wenig in Vergessenheit geraten ist: Wenige Wochen vor dem ersten Wahlgang wurden Vorwürfe gegen Waldheim laut, er habe über seine Rolle als Soldat im Zweiten Weltkrieg gelogen, beziehungsweise vieles einfach verschwiegen – unter anderem seine Mitgliedschaft in der SA und die – zumindest militärische – Nähe zu einem Kriegsverbrecher.

Waldheims Walzer
Foto: Ruth Beckermann Filmproduktion

Der Umgang Waldheims mit den Vorwürfen – Leugnen, Nicht-Erinnern und Relativieren – und die offen antisemitischen Anwürfe der konservativen
Österreichischen Volkspartei („ehrlose Gesellen vom jüdischen Weltkongress“ – dessen Vertreter die Vorwürfe vehement vorgebracht hatten), mit denen man die Täter-Opfer-Rolle ins Gegenteil verkehrte, weisen allerdings klare Parallelen zu den Strategien rechtspopulistischer Parteien auf, die sich momentan in Europa überall im Aufschwung befinden. Waldheim wurde übrigens gewählt, mit 53,9 Prozent der Stimmen. 

A 2018, 93 Min., R: Ruth Beckermann, Start: 4.10.

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