KOMÖDIE

Was hat uns bloß so ruiniert?

Die Österreicherin Marie Kreutzer nimmt die Familienideale der ­Thirtysomethings tiefgründig aufs Korn

ZITTY-Bewertung: 5/6
ZITTY-Bewertung: 5/6

In ihrem Langfilmdebüt „Die Vaterlosen“ (2011) erzählte Marie Kreutzer von einer Landkommune in den 80er-Jahren und dem traumatisierenden Potenzial antiautoritärer Erziehung. In ihrem dritten Film, benannt nach einem Song von Die Sterne, könnten die Protagonisten die Kinder des linken Patriarchen aus „Die Vaterlosen“ sein. Es ist die eigene Generation der Wiener Filmemacherin, und man spürt, dass Kreutzer viel dichter dran ist an dieser Altersgruppe, die sich im Bemühen um alternative Familienkonzepte abstrampelt. Im Zentrum stehen drei Pärchen aus der Wiener Kreativszene – kurz „Bobos“, soziologendeutsch für „Bourgeoise Bohème“.

Eine partyselige Runde der sechs Freunde eröffnet den Film: Filmemacherin Stella (Vicky Krieps als Kreutzers filmisches Alter Ego) gibt bekannt, von Partner Markus schwanger zu sein. Die freudige Botschaft setzt den Startschuss, und so wird das Projekt Nachwuchs auch bei den anderen Paaren zur Realität. Heimliche Rivalität und der Wunsch nach freundschaftlicher Kontinuität vermischen sich, man versichert sich gegenseitig, nie zu Spießern zu mutieren. Stella dokumentiert den neuen Lebensabschnitt mit der Kamera, Interviewszenen ziehen sich als schwarz-weiße Film-im-Film-Vignetten durch die Geschichte und fungieren als Momente der Selbstreflektion – ein kluger Kunstgriff, der eine Reihe markanter Sätze liefert, etwa wenn einer der Neu-Papas trocken bilanziert: „Deine Zeit ist eigentlich abgelaufen. Du lebst nur durch jemanden anderen.“

Was hat uns bloß so ruiniert?Foto: Movienet Juhani Zebra
Was hat uns bloß so ruiniert?
Foto: Movienet Juhani Zebra

Auch macht es sich die Filmemacherin nicht zu einfach, sie liefert kein dankbares Bashing von „Bobos“ und fügt deren Biotopen Prenzlauer Berg, München-Schwabing oder Hamburg-Ottensen nicht einfach einen Wiener Mikrokosmos hinzu. Stattdessen geht Kreutzers Blick selbstentlarvend in die Tiefe. Dadurch wird ihr Film zum fein beobachteten Generationenporträt, das hintergründigen Humor entfaltet. Dabei hilft ein großartig harmonierendes Ensemble; besonders die stets wunderbare Pia Hierzegger („Der Knochenmann“, „Wilde Maus“) als „Rabenmutter“ Ines, die ihre Tochter trotzig „Elvis“ nennt, und Manuel Rubey (der schon in Kreutzers „Gruber geht“ die Titelrolle spielte) prägen sich ein.

Wenn die Clique am Ende fürs Gruppenfoto posiert, dann liegt die Verunsicherung des titelgebenden Songs förmlich in der Luft: „… und dann der Kaktusgarten. Konnten sie nicht warten? Was hat dich bloß so ruiniert?“

A 2016, 96 Min., R: Marie Kreutzer, D: Vicky Krieps, Marcel Mohab, Livia Teppan, Pia Hierzegger, Manuel Rubey

Was hat uns bloß so ruiniert?

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