Kunst

Was Künstler denken

Hergen Wöbken arbeitet an seiner zweiten Berliner Kunststudie

Während die Kuratoren von „based in Berlin“ letzte Vorkehrungen für ihre Überblicksausstellung mit Kunst aus Berlin treffen, bereitet Hergen Wöbken seine zweite Studie zur Situation von Berliner Kunst und Künstlern vor.
Ende Mai hat der Wirtschaftswissenschaftler und Strategieberater über verschiedneen institutionelle Postverteiler einen deutsch-englischen Bogen versandt, der nicht nur soziale Daten von Künstlern erfragt, sondern auch Meinungen.
So können die Befragten bis 5. Juni mitteilen, welche Förderungen sie wahrnehmen, was sie über Häuser wie Kunst-Werke und Berlinische Galerie denken, was über die Kulturpolitik und was sie nach Berlin geführt hat. Repräsentativ ist die Studie nicht, Wöbken spricht jedoch von „belastbaren Ergebnissen“. Am 21. Juni will er sie veröffentlichen.

Rund fünf Monate wird die Studie im eigenen Auftrag das unabhängige Institut für Strategieentwicklung in Prenzlauer Berg dann beschäftigt haben. Eigentümer Hergen Wöbken und seine Mitarbeiter haben im Vorfeld Hinweise von Experten eingeholt, etwa von Kulturverwaltung, Institutionen und dem Berufsverband Bildender Künstler Berlin, mit dem das IFSE bei der Studie kooperiert.

Bereits im Sommer 2010 veröffentlichte das Institut seine erste Studie zum Thema, „Studio Berlin“, die in Zusammenarbeit mit dem Neuen Berliner Kunstverein entstand. Medienresonanz gab es wenig, obwohl die Studie wunde Punkte traf. Spartendenken und Lobbyismus, so ein Fazit, erschwerten eine nachhaltige Kulturpolitik. Die Akteure sollten besser in unabhängig moderierten Gesprächen zusammenkommen, und, bevor sie über Summen verhandeln, gemeinsame Ziele benennen.

Ein Jahr später hat sich die Studie jedoch bei Künstlern, Institutionsleitern und Politikern herumgesprochen. Sie biete eine „gute Übersicht“, sagt der Sprecher der Kulturvewaltung, Torsten Wöhlert. Mit der Feststellung, dass bildende Kunst zum kulturellen Kapital der Stadt zähle, gehe man „d’accord“. Dort, wo Verbesserungsbedarf bestehe, würden die Mitarbeiter der Verwaltung im Rahmen ihrer Möglichkeiten helfen wie im Fall des Atelierhauses in der Weddinger Wiesenstraße, das eine Schweizer Stiftung aus dem Liegenschaftsfonds kaufte und den Künstlern mit einem Erbpachtvertrag überlassen hat. 

Zufrieden ist Wöbken noch nicht: „In Berlin wird viel diskutiert, aber wenig abgesprochen“. Er sieht Reformbedarf bei politischen Entscheidungen: Sie von oben nach unten durchzureichen, sei nicht mehr zeitgemäß, mehr Erfolg für alle Beteiligten verspreche der Weg von Impulsen von unten nach oben. Von seiner neuen Studie erhofft er Anregungen für eine differenziertere Politik, die den zersprengten künstlerischen Szenen der Stadt gerecht werde. Wöbken plant bereits jetzt eine dritte Studie: Er will das Entwicklungspotenzial von Kunstinstitutionen untersuchen.      Claudia Wahjudi