Was mich beschäftigt

Müll zurück an seine Erzeuger

Cleanup Travekiez“. Oder: „Kiezputz Schiller­kiez“. Und: „Cleanup Spree“ – dem „World Clean­up Day Berlin“ am 20. und 21.September mit hunderten Aufräumaktionen in allen Berliner Bezirken ging seit Jahren eine wachsende Zahl unterschiedlicher Anti-Vermüllungs-Aktionen voraus. Da wurde zum „Stand up! Paddeln für saubere Gewässer“ auf die Spree geladen. Oder zum „Plogging“, das sind Jogging-Events, bei denen unterwegs zertretene Plastikflaschen, To-Go-Becher oder zerknüllte Tüten eingesammelt werden.

Zitty-Redakteurin Eva Apraku findet, dass die Einführung eines umfassenden Mehrweg-Verpackungssystems der Vermüllung entgegenwirken könnte.
Foto: F. Anthea Schaap

Schöne neue, saubere Welt also? Nicht ganz! Klar ist es gut, dass der Müll – es sind leere Plastik- und Glasflaschen, Verpackungen wie Pizzakartons, Trinkbecher oder Alu- und Plastikschalen aus Schnellimbissen – endlich Beachtung findet. Aber was ist mit der Mülltrennung?
Wobei ich hier weniger die „Mülltrennung“ nach Glas, Plastik oder Papier meine, ­sondern vielmehr die Trennung des Mülls nach ­dessen Verursachern: Alle Pizzakartons der einen ­Pizzeria in den einen blauen Sack. Und die der anderen Pizzeria in den anderen Sack. Außerdem bekommen leere Chipstüten, Kartoffelsalatbecher, Tetrapaks oder Kekspackungen, die man bestimmten Supermarktketten zuordnen kann, ebenfalls jeweils eigene Sammeltüten. Genauso wie die leeren, leider pfandlosen Smoothie-Flaschen oder die Fruchtsalatplastikbecher, die es beispielsweise bei den „Bio“-Streetfood-Anbietern gibt.

Mit den vollen Abfallsäcken dann ab zur Pizzeria, zum Supermarkt, zum Bio-Imbiss. Guten Mutes rein in den Laden und die Säcke mit beherztem Schütteln auf dem Boden entleeren. Gemein? Die armen Einzelhändler können doch auch nichts für den Müll? Es ist – mal ­wieder – das System, das versagt? Ach was!

Foto: imago images / CHROMORANGE

Landet der Müll nur regelmäßig genug bei dessen Verursachern beziehungsweise Vertreibern, dann wird der Druck endlich weitergegeben: an die Supermarktkonzerne, die Lebensmittelhersteller, die Verpackungsindustrie. Denen dann bald einfallen wird, dass Mehrwegver­packungen sehr viel weitreichender möglich sind als bisher. Wie wär’s mit wiederverwendbaren Pizzaverpackungen, Pfand: zwei Euro? Oder Mehrfach-Gefäßen für Mehl, Reis, Nudeln. Pfand: 1,50 Euro? Außerdem Getränke immer in Pfandflaschen, egal ob Wein, Saft oder diese Ice-Tea-Plörre. Plastik hätte bei derartigen Vielwegverpackungen endlich die Chance, zu ­zeigen, was es wirklich kann: wie Tupper­dosen ein gleichermaßen leichtes wie stabiles und ­lange haltbares Behältnis zu sein. Das – bis kurz vor seiner Abnutzung – dann per Pfandsammlung sortenrein im Recycling landet.

Auch lange Wege zwischen Abfüll- und Verbrauchsort müssen nicht sein. Warum nicht waggonweise Großlieferungen zu regionalen Abfüllern? Und normierte Verpackungen, die zwischen verschiedenen Erzeugern zirkulieren? Individuelle „Markenidentität“ kann sich über die Gestaltung der Papier-Etiketten ausleben. Grafiker, zeigt, was ihr könnt!
Ach ja: Cleanup-Aktionen würden sich nach Einführung eines umfassenden Mehrweg-Verpackungssystems komplett erübrigen. Denn wer meint, nach einem spontanen Picknick Getränkeflaschen, Salatbecher oder Chips­dosen im Park liegen lassen zu müssen, verzichtet auf ein ordentliches Sümmchen: Die Höhe des Pfands beträgt schnell viele Euro. Verpackungen zu sammeln ist dann nichts mehr für emsige Ehrenamtler.
Sondern ein einträglicher Fulltimejob.