DAAD

Wo Muscheln klicken

Eigentlich kommt hier zusammen, was zusammen gehört. In der Kreuzberger Galerie vom Berliner Künstlerprogramm des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) treffen Gedichte auf Installationen, Plastiken auf Klangkunst und an den ersten Abenden der Ausstellung auch auf Gespräche und Kompositionen.

oto: Patricia Schichl
Diskussion über die Möglchkeit, über das fremde Element Wasser zu sprechen: Silvia Fehrmann, Rolf Peinert, Margarida Mendes und Peter Cusack (v.l.n.r.) Foto: Partricia Schichl

Damit spiegelt die aktuelle Ausstellung „Aquaria“ nicht nur die Sparten des Künstlerprogramms, sondern auch, was in den Wissenschaften erprobt ist: Der Gewinn an Erkenntnis ist größer, wenn Experten auch fachübergreifend zusammenarbeiten. ­Sujet von „Aquaria“ sind die Meere und das Wasser, versinnbildlicht, untersucht und kommentiert in neueren und älteren Arbeiten ehemaliger DAAD-Stipendiaten wie Douglas Henderson und Allan Sekula aus den USA, von Edith Dekyndt aus Belgien, Angiezszka Brzeżańska aus Polen und weiteren Künstlern.

Ein Oktopus auf Reisen

Ein schönes, kleines Potpourri ist das geworden. Jeffrey Yangs pointierte Gedichte zu Aalen, Quallen und einer Suchmaschine stehen in Times-Lettern an der Wand und liegen auf Englisch sowie in deutscher Übersetzung von Beatrice Faßbender zum Mitnehmen aus. Noch einmal lässt sich Shimabuku aus Japan in seinem Film aus dem Jahr 2000 dabei zusehen, wie er in Gesellschaft eines frisch gefangenen Oktopus einen Ausflug nach Tokyo unternimmt, wo jeder angesichts des Weichtiers nur an Essen denkt.

Shimabuku aber lässt den Tintenfisch wieder frei, und dieser robbt tatsächlich auf seinen Armen über die Kiesel in den Pazifik. Bruce Odland und Sam Auinger haben unter Wasser das Pumpen von Mollusken und Muscheln aufgenommen: jeder Impuls ein Klick. Ein wenig erinnert ihr Beitrag an die aktuelle ARD-Serie „Der blaue Panet“: Wir wissen erst, wie wenig wir über Ozeane wussten, seit Kameras und Mikrofone sogar in der Tiefsee aufzeichnen. Verantwortlich für die zugespitzte Transdisziplinarität beim Künstlerprogramm ist dessen neue Leiterin, die Lite­raturwissenschaftlerin Silvia Fehrmann, die vom Haus der Kulturen der Welt kommt. Nun durchweht auch den DAAD jener Geist, der das Anthropozän durchleuchtet, das Zeitalter, in dem sich die Hinterlassenschaften menschlichen Wirkens in Erdschichten ablagern.

foto: Partricia Schichl
Diskussion über die Möglchkeit, über das fremde Element Wasser zu sprechen: Silvia Fehrmann, Rolf Peinert, Margarida Mendes und Peter Cusack (v.l.n.r.) Foto: Partricia Schichl

Daher fand am 14. März ein Gespräch darüber statt, wie sich die Folgen des Klimawandels für die uns noch immer fremden Meere benennen lassen. Broschüren zur Zukunft der Golfstromzirkulation lagen aus, Teilnehmer Rolf Peinert vom Konsortium Deutsche Meeresforschung hatte sie mitgebracht, eingesprungen für den viel gefragten Physiker Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung, der abgesagt hatte. Die Debatte selbst, von Fehrmann moderiert, ließ zu wünschen übrig. Peinert dozierte professoral. Margarida Mendes vom Videodienst „inhabitants.tv“ und Künstler ­Peter Cusack saßen nach ihren Kurzpräsentationen wie Schüler daneben. Antworten auf die Frage des Abends konnte die Runde so nicht finden. Da muss sich beim DAAD offenbar noch etwas zurechtruckeln, wenn die Auseinandersetzung mit großen Themen künftig mehr als poetische Ausstellungen hervorbringen soll.

Bis 31.3.: Daadgalerie, Oranienstr. 161, Kreuzberg, Di–So 12–19 Uhr, Eintritt frei

 

Mehr über Kultur und Klima

Das Anthropozän-Projekt: Der selbstgemachte Planet

Ackern fürs Klima