STÖHN-PERFORMANCE

Subversive Lust

In „We Can Do It Moaning“ geht das Frauenkollektiv Aba Naia dem Phänomen des weiblichen Stöhnens lustvoll auf die Spur

Herrliches Rumgestöhne: Post-porn-clowning-Kollektiv Aba Naia – Foto: Mari Vass

Text: Friedhelm Teicke

Raunzen, raunen, schnaufen, keuchen, stocken, hecheln, zittern – die Klangpalette des Stöhnens ist vielfältig, doch als Zeichen sexueller Erregung gilt der wohlige Laut vor allem bei der Frau. So stöhnt auf dem wohl bekanntesten und ersten Lustduett der Popgeschichte, „Je t’aime … moi non plus“, nur Jane Birkin, ihr Partner Serge Gainsbourg genießt und schweigt. Die unverblümte Beischlafnummer provozierte 1969 noch, Radiostationen wie die BBC weigerten sich, das „schmutzige Lied“ zu spielen. Ein Hit und heute ein Klassiker wurde das Lied trotzdem.

Einige Jahre später stöhnte sich Donna Summer spektakulär gleich rund 17 Minuten lang durch die Disconummer „Love To Love You Baby“ und kam dabei laut dem offenbar gewissenhaft mitzählenden Time Magazine auf „22 orgasms“. Den „sweet Peter“, den Donna Summer zwischendurch einmal als Urheber ihrer gestöhnten Lust benennt, hört man freilich nie.

„Es ist tatsächlich ein Phänomen, dass Stöhnen als Zeichen von Lust und sexueller Erregung meist allein von der Frau ausgedrückt wird“, sagt die brasilianische Performerin Rafuska Marks, Teil des Berliner Frauenkollektivs Aba Naia. Gemeinsam mit ihren Kolleginnen Kysy Fischer aus Brasilien und Teija Vaittinen aus Finnland geht sie in „We Can Do It Moaning“ der merkwürdigen Besonderheit nach, dass Seufzen als Ausdruck von Lust offenbar rein weiblich besetzt ist. Denn wenn das so ist, dann „liegt darin auch eine subversive Kraft“, meint Marks.

Und das internationale Berliner Frauenkollektiv nimmt das Thema Lust gern auch im doppelten Sinne auf, also mit Humor. Schließlich begreifen sich Aba Naia laut Selbstbeschreibung als „Pioniere des weiblichen post-porn clownings“. So wird in ihrer Lecture-Performance „We Can Do It Moaning“ über „weibliche Paarungslaute, die sich zu einem stöhnenden Akustikerlebnis transformieren“ vermutlich auch der Spaß nicht zu kurz kommen.

Denn mit der Erforschung der weiblichen Komik, ähnlich wie es übrigens auch Vanessa Stern in den Sophiensaelen in ihrer Reihe „La Dernière Crise – Frauen am Rande der Komik“ macht, befasst sich Aba Naia seit ihrer Gründung 2017. Die Erprobung von geschlechtsspezifischen Zugängen zur Komik, gerade in Bezug auf Sexualität und Themen wie Feminismus, Gender, Heritage, Zugehörigkeit und die Dekolonialisierung des Körpers bewegen Aba Naias künstlerische Auseinandersetzungen. Das konnten die Besucher*innen des letztjährigen „The Expo Festival“ im English Theater Berlin etwa in der brasilianisch-tropischen Klischée-Parodie „Banana Pride“ von Aba Naia sinnlich erleben.

Untersucht werden in der Arbeit der drei forschen Forscherinnen auch die Grenzen zwischen Komik und Unbehagen. Wann und wo hört der Spaß auf?

Dass weibliches Stöhnen nicht nur geiles Bettgeräusch sondern durchaus eine subversive Kraft hat, bemerkte später übrigens auch Donna-Summer-Produzent Giorgio Moroder: „Love To Love You Baby“, erklärte er in einem Interview, sei ein „feministisches Lied“ , es ginge tatsächlich um Selbstermächtigung, um die Emanzipation der Frauen. We Can Do It Moaning eben.

21.+22.2.2020, 20 Uhr, English Theater Berlin – International Performing Arts Centre, Fidicinstr. 40, Kreuzberg. Von und mit Kysy Fischer, Rafuska Marks, Teija Vaittinen. Eintritt 15, erm. 9 €