Berlin

Weihnachtsmärkte

Alle Jahre anders: So haben wir, sechs Freunde und ihre Kinder, den Anspruch an unsere Weihnachtsmarktbesuche genannt. Einzulösen ist er kaum. Denn der eine und die andere aus unserer Runde ist aus Franken und Sachsen zugewandert, und wer die Christkindlmärkte in Regensburg und Nürnberg, den Dresdner Striezlmarkt oder die erzgebirgischen Feiern kennt, hat Ansprüche.


Winterwelt am Potsdamer Platz
Foto: Winterwelt am Potsdamer Platz

Für Currywurst mit Ketchup braucht es bekanntlich kein Weihnachten. Und, danke, gefilzte Mützen und lammfellgefütterte Hauspuschen benötigen wir nicht. Zudem man muss es wirklich mögen, das Gedrängel an der Kasse zum Gendarmenmarkt (ab 26.11.), wo ausnahmsweise Eintritt fällig wird, oder dass in den echten Bergen immer weniger Schnee fällt, aber in der Winterwelt am Potsdamer Platz  eine künstliche Rodel-bahn viel Strom verbraucht. Das Stadtzentrum meiden wir also. Den Markt am Breitscheidplatz habe ich nur einmal besucht: 2016, um meinem Kind, das von dem Attentat gehört hatte, all die Blumen zu zeigen, mit denen Passanten der Opfer des Anschlags gedachten.

Selbstverständlich gibt es heimelige Kiezmärkte, den Alt-Rixdorfer (7.–9.12.) mit Schmiedehandwerk etwa. Gegen die rasch ausgekühlten Füße, die mich trotz Wollsocken in den Stiefeln auf Weihnachtsmärkten chronisch heimsuchen, helfen jedoch nur  inhäusige Veranstaltungen. Der nordische  Lucia Weihnachtsmarkt in der Kulturbrauerei bietet eine mobile Sauna und nebenan Restaurants. Der Markt der Kontinente in den inzwischen dreiviertelleer geräumten  Museen Dahlem dagegen entfällt. Worüber ich nicht traurig bin. Beim letzten Mal dort war ich nur damit beschäftigt, die Finger der Kinder zu beaufsichtigen, die mit Laubsägen hantierten. Die Gören waren happy, meine Nerven blank.

Lucia Weihnachtsmarkt

Drei Märkte haben wir schließlich für unsere Wünsche zurechtsortiert: solche, auf denen die Kinder zufrieden sind und nicht verloren gehen, die Füße sich zwischenwärmen lassen und die Erwachsenen sich mal setzen können. Auf der Nordischen Märchenweihnacht des Gutshofs Schloss Britz können die Kinder Bogenschießen und andere ritterliche Kompetenzen üben, während die Großen im Café hocken oder einen Blick ins Museum Neukölln werfen. Als wir den Märchenhaften Weihnachtsmarkt am Jagdschloss Grunewald  entdeckt hatten, waren die Kinder zwar bereits zu groß für Märchentheater, aber gern bereit, sich einer Führung durch das Schloss anzuschließen, Schauergeschichten über die Hohenzollern zu hören und die große Sammlung mit Gemälden von Lucas Cranach anzusehen.

Nordische Märchenweihnacht: Weihnachtsmarkt auf dem Gutshof

Immer wieder aber kommen wir auf den  Lichtenrader Lichtermarkt zurück . Nur am ersten Adventssonntag gruppieren Verbände und Vereine ihre Buden um den Giebelfuhlteich und bieten Gehandwerktes, Lose, Waffeln, Suppe, Ponyreiten und Trödel an. Etliche Geschenke habe ich hier gekauft, etwa einen antiquarischen Rucksack mit Lederriemen für einen Euro. Jeder Cent geht an gemeinnützige Einrichtungen: das Technische Hilfswerk, die DLRG, Sportvereine, Hausaufgabenhilfe. An jene, die dafür sorgen, dass der Kitt der Gesellschaft nicht zerbröselt. In Lichtenrade flackert der Glaube an das Gute im Menschen wieder auf.