Kino

Wer 4 sind

Kamerascheu waren Die Fantastischen Vier noch nie: Unzählige Konzert-DVDs haben sie im Verlauf ihrer Karriere rausgehauen, 2001 gab es mit „Was geht“ auch bereits einen Dokumentarfilm über sie, der in die Kinos kam. Braucht es da also noch einen Film, 18 Jahre später – und hat der was Neues zu erzählen? Ja und Ja.

Foto: Kick Film GmbH

Ja, die aktuelle Fantas-Bestandsaufnahme im Jahr 30 ihrer Geschichte, die Regisseur Thomas Schwendemann vornimmt, kann man so machen. Und Ja: Es gibt auch Neues zu berichten aus dem Universum der inzwischen etwas in die Jahre gekommenen HipHop-Herren, die mittlerweile einen solitären Status in der deutschen Popmusik inne haben.

Die Grabenkämpfe, ob ihre Musik überhaupt HipHop oder „nur“ Spaß-Pop ist, gehören längst der Vergangenheit an. Schwendemann dient die Produktion ihres letzten 2018er-Albums „Captain Fantastic“ als Aufhänger, um die beruflich-kreativen, aber auch menschlich-freundschaftlichen Eckpfeiler der vier Männer auf ihre Substanz hin abzuklopfen. Wie so oft bei Bandporträts ist der Regisseur da eher Fan und kein Zahnarzt, der bohrend nachfragt, aber da die Fantas inzwischen reflektierter, aber immer noch redselig wie eh und je gerne vor jeder Kamera sitzen, kommen doch viele interessante und auch persönliche Einblicke jenseits üblicher Musiker-Plattitüden zur Sprache.

Besonders spannend ist es, wenn die Endlichkeit im Film zum Thema wird. Bereits ihre 2001er-Doku „Was geht“ wurde von vielen als Andeutung eines Abschieds von der Bühne gesehen. Fast zwei Jahrzehnte später gehen die Musiker damit viel gelassener um. Vielleicht auch, weil sie festgestellt haben, dass es machbar ist, immer noch mit der Musik unterwegs zu sein, die sie lieben, ohne berufsjugendliche Hampelmänner zu werden. Das durchaus überraschende Fazit lautet: HipHop cool mit 50 geht!

D 2019, 106 Min., R: Thomas Schwendemann, Start: 15.9.

https://www.zitty.de/event/kino/wer-vier-sind/