zitty 13/2012

Wie es wurde, was es ist

Es war einmal ein zitty-Redakteur, der machte sich auf ins Land der grünen Felder und blauen Seen. Das Wetter war herrlich an diesem Tag, die Alleen sausten vorüber, die Stimmung im Auto war ausgelassen, die Lebensabschnitts-und-sicher-auch-darüber-hinaus-Gefährtin bester Laune. Nur eines fehlte zum Glück.

Eine Packung voll knackiger, roter, praller Erdbeeren.

Sie kennen Szenen wie diese sicher aus Horrorfilmen wie „Hitcher, der Highway Killer“. Wenn Protagonisten eines solchen Gruselstreifens im Niemandsland haltmachen und das sichere rollende Zimmer Auto verlassen, um einem Gelüst zu frönen (in amerikanischen Filmen besonders tödlich: Zigaretten-, Drogen-  und Alkoholkonsum oder gar Sex), dann müssen sie dran glauben, dann beißen sie ins Gras. Das war schon immer so und wird immer so sein.

Der zitty-Redakteur und seine Begleiterin hatten dort keinen Sex, außerdem sind sie Nichtraucher und für Alkohol war es zu früh. Aber da war diese Lust der Frau auf frische Erdbeeren. Sie tat also das, was man nie tun darf, schon gar nicht in Brandenburg: Sie stieg aus. Um an einem Stand Erdbeeren zu kaufen. Und als sie wieder ins Auto zurückkehrte, ohne Erdbeeren, war nichts mehr, wie es war.

Die Laune war dahin, das Lächeln gefroren, der Tag gelaufen. „Was ist passiert?“, fragte der zitty-Redakteur. „Ich habe den Mann darauf hingewiesen, dass manche der Erdbeeren schimmlig sind.“ „Aha.“ „Er hat gesagt: NA UND?“ „Hm.“ „Ich habe dann gefragt, ob ich mir die Erdbeeren selber aussuchen darf.“ „Und?“ „Er hat gesagt: NEIN.“ Ja, so sind sie, die Brandenburger. Immer grade heraus.

Wir wollen trotzdem, dass Sie nach Brandenburg fahren. Und wir zeigen Ihnen auch, warum (ab Seite 14). Und Buchautorin Antje Rávic Strubel (Interview, Seite 28) erklärt Ihnen, wie man sich an einem einzigen Sommertag unsterblich ins „berauschende helle Grün“ Brandenburgs verlieben kann. Und sie sagt einen hübschen Satz, der uns versöhnt mit dem Erdbeerenmann und seinen Landsleuten: „Im Land der abgehärteten Seelen sind die Späße selten zart.“

zitty-Redakteure, die ihre Erdbeeren jetzt selbst anpflanzen (ungelogen) 1

Was wird in den nächsten zwei Wochen passieren? Einiges davon steht in diesem Heft. Alles andere müssen Sie schon selbst erleben. So wie wir.
Lydia Brakebusch