BERLIN, DEINE KINDER

Wie familienfreundlich ist Berlin?

Alle zieht es nach Berlin. Sollte man meinen.

Berlin und seine Kinder – ist das wirklich Liebe? Foto: fotolia.com © Hans-Joachim Steiner

Warum auch nicht, Berlin hat schließlich seinen Ruf Weg, sozusagen die Stadt der unbegrenzten Möglichkeiten zu sein. Besonders für junge Menschen und ganz besonders für diejenigen, die gleichzeitig beruflich hoch hinaus und dabei das pralle Leben erfahren wollen. Das bedeutet allerdings auch, dass die meisten in die Hauptstadt kommen, um in erster Linie sich selbst zu verwirklichen. Während Einzelkämpfer in Berlin also offenbar beste Voraussetzungen vorfinden, stellt sich doch die Frage: Wie sieht es denn mit denen aus, die schon mit Anhang unterwegs sind? Was bietet Berlin den kleineren und größeren Familien?

Die einen sagen so, die anderen sagen so

Irgendwie würden wir alle unseren Kindern doch gerne ein Umfeld zum Aufwachsen ermöglichen, in dem es ihnen an nichts fehlt, in dem sie gefahrlos die viel zu schnell vorüberziehenden ersten Lebensjahre verbringen können. In dem sie alle Möglichkeiten haben, sich nach ihren Fähigkeiten und Wünschen zu entwickeln. Es ist gleichzeitig eine grundsätzliche, aber ebenso eine überaus persönliche Frage. Welche Umgebung Eltern als die beste für ihre Kinder empfinden, hängt nun einmal stark von individuellen Faktoren ab.

Und die erfordern häufig genug einen Kompromiss. Wenn die Jobs in der Stadt warten, ist es möglicherweise nur mit größten Mühen zu bewerkstelligen, die Kinder auf dem Land großzuziehen. Andererseits bietet die Stadt die deutlich dichtere Infrastruktur, was eine in vielerlei Hinsicht leichtere Versorgungssituation bedeutet – Kitas, Schulen, Ärzte, all das ist vorhanden. Sicherlich eine Erleichterung, denn gerade die Anfangszeit in der Elternrolle vergeht selten stressfrei.

So individuell die Voraussetzungen der einzelnen Berliner mit Kind sind, so individuell ist natürlich die Wahrnehmung der Lebenssituation und der äußeren Bedingungen. Dann ist manch einer mit dem Betreuungsangebot im Kita-Bereich vollstens zufrieden, ein anderer kann daran nichts Gutes finden. Dem einen fehlt es an Möglichkeiten, mit den Kindern die Freizeit auf einem Spielplatz oder in einem Park zu verbringen, einem anderen käme nicht mal in den Sinn, dass es in dieser Hinsicht einen Mangel gibt.

Die Reihe ließe sich für so ziemlich jeden Aspekt des alltäglichen Lebens in der Großstadt fortsetzen, am Ende läuft es auf folgende einfache Wahrheit hinaus: Alles hat mindestens zwei Seiten und die Frage nach der Familienfreundlichkeit der Hauptstadt muss im Prinzip jeder für sich beantworten. Sie ist unterm Strich einfach zu subjektiv. Nichtsdestotrotz – Berlin gibt sich durchaus Mühe, es seinen Kindern und Familien möglichst recht zu machen.

 

Job, Studium, Kind. In Berlin. Geht das?

Eine der offensichtlicheren Hürden, weil sie nicht direkt ein Berlin-spezifisches, sondern vielmehr ein Problem unserer Zeit im Allgemeinen ist – wie soll der eigene berufliche Werdegang funktionieren, wenn „nebenbei“ noch ein Kind erzogen werden will (oder besser: soll)? Anders ausgedrückt: Wie wird mir als Elternteil unter die Arme gegriffen, wenn ich mein Studium beenden oder weiter meiner beruflichen Tätigkeit nachgehen möchte?

Die Suche nach der Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Nun ist es nicht so, als wäre diese Problematik vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen geblieben. Im Gegenteil kann sie kaum anders als mit „ein alter Hut“ beschrieben werden. Die Notwendigkeit, die in vielen Familien besteht, trotz/wegen Kindersegens arbeiten zu gehen – ein ebenso alter Hut. Dass Unternehmen mittlerweile erkannt haben, welche Vorteile es haben kann, gegenüber Mitarbeitern mit Anhang etwas offener zu sein? Ein Schritt in die richtige Richtung.

Flexibilität als Win-Win-Option für alle

Flexiblere Arbeitszeiten, flexiblere Arbeitsmodelle – davon profitieren Familien und Unternehmen gleichermaßen. Foto:fotolia.com © kerkezz

Am Ende profitieren schließlich alle von familienfreundlichen Lösungen. Die Familien sowieso, denen etwa flexiblere Arbeitszeitmodelle mehr Zeit mit den Lieben daheim (oder überall sonst, wo man mit den Lieben in der gemeinsam verbrachten Zeit hin möchte) einräumen. Die Unternehmen ihrerseits schaffen so zum einen Anreize für Mitarbeiter, die sich mit der zukünftigen Erfüllung des Kinderwunsches tragen und so die Aussicht haben, diesen mit ihrer Arbeitsstelle vereinbaren zu können. Sie reduzieren so zum anderen die Fluktuation in der Belegschaft, was einerseits Kosten spart und andererseits Wissen und Kompetenzen an das Unternehmen bindet.

Initiativen für mehr Familienfreundlichkeit

Mit den Zugeständnissen vom Arbeitgeber bleibt mehr Zeit für familiären Alltag – etwa gemeinsame Mahlzeiten.   Foto: fotolia.com © Monkey Business

Eine Kooperation mehrerer Berliner Institutionen – angefangen beim Berliner Beirat für Familienfragen über die Unternehmensverbände Berlin-Brandenburg bis hin zu IHK und Handwerkskammer Berlin – kürt deswegen im Rahmen des Wettbewerbs „Unternehmen für Familie“ solche Arbeitgeber, die sich in puncto Arbeitszeiten, Unterstützung bei der Kinderbetreuung oder hinsichtlich der Möglichkeiten bei Elternzeit und Wiedereinstieg besonders positiv hervortun.

Der Landeswettbewerb ist dabei allerdings nur ein Mosaiksteinchen in einem sehr viel größeren Bemühen um die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, das schon vor einigen Jahren von den erwähnten Institutionen ins Leben gerufen wurde. Direkter an die Eltern richtet sich daneben das Netzwerk „Elternzeit in Berlin“, in dem Experten ihre Kenntnisse zu den Themen Elternzeit, Elterngeld, familienfreundliche Arbeitswelt und Work-Life-Balance zur Verfügung stellen.

Solche Bemühungen, gepaart mit bundesweiten Initiativen wie „Erfolgsfaktor Familie“, hinter der das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend steht, tragen offensichtlich Früchte, wie verschiedene Positivbeispiele aus dem Arbeitsleben aufzeigen:

Siegfried Windhoff etwa, Verwaltungsangestellter beim IT-Unternehmen Projektron, konnte durch eine Teilzeitbeschäftigung und die Übernahme anderer Aufgabengebiete die notwendigen Freiräume schaffen, damit er und seine Frau wesentlich entspannter die Erziehung ihrer beiden Kinder leisten können.

Oder Dirk Steufmehl, Krankenpfleger auf der Intensivstation der Charité. Er arbeitet derzeit Teilzeit, seine Stelle wird jedoch mit Sonderdiensten, die er beliebig einteilen kann, auf eine 30 Stunden Woche aufgestockt. So kann er weiterhin seinem Beruf nachgehen, ermöglicht damit seiner Frau eine Vollzeitstelle (die er während ihrer Elternzeit noch hatte) und gewährleistet gleichzeitig, dass noch genügend Zeit für die beiden Kinder bleibt.

Die Arbeitgeber wiederum können sich in beiden – genau genommen: in allen – Fällen darüber freuen, Fachkräfte im Unternehmen halten zu können, die ansonsten hätten ersetzt werden müssen. Flexibilität zahlt sich also letzten Endes aus.

Studieren mit Kind

Mit ähnlichen Fragen und Problemen sehen sich natürlich Studenten konfrontiert. Ein Abschluss in der Regelstudienzeit und gleichzeitig die Kindererziehung stemmen? Und das Ganze, während möglicherweise nebenher noch das Geld für Studium und Lebensunterhalt aufgebracht werden muss? Klingt nach einer ziemlichen Herausforderung – und genau das ist ein solches Unterfangen letztlich auch.

Unterstützung für das Studium

Glücklicherweise müssen studierende Eltern diese nicht im Alleingang annehmen, Hilfsangebote gibt es von verschiedenen Seiten und in ganz unterschiedlichen Formen. Ob Beratung, Betreuung oder Finanzierung, es gibt mittlerweile Lösungen für alle wichtigen Bereiche der Studienzeit, damit weder die Kinder noch das Studium zu kurz kommen. Hilfe gibt es etwa vom Berliner Studentenwerk, das Studierenden beratend zur Seite steht und eigene Kitas unterhält.

Sollten letztere keine Plätze mehr offerieren können, die Beiträge für eine andere Kita aber nicht mit dem Familienbudget in Einklang zu bringen sein, haben die Gesetzgeber mit den sogenannten Kita-Gutscheinen eine Finanzspritze für studierende Eltern ins Leben gerufen, die eine erhebliche Entlastung bedeuten.

Familienfreundliche Hochschulen

Die Humboldt-Universität bemüht sich schon seit einigen Jahren um ein familienfreundlicheres Studienumfeld. Foto:fotolia.com © katatonia

Darüber hinaus ist Familienfreundlichkeit auch für die Berliner Hochschulen selbst ein Thema. Die Humboldt-Universität zu Berlin hat schon vor Jahren die Weichen hin zu einer familienfreundlichen Lehranstalt gestellt. Dazu gehört etwa das Angebot des Teilzeitstudiums, das die Regelstudienzeit unter Berücksichtigung der Elternschaft nach hinten verlegt. Eine – aufgrund der Teilnehmerzahl allerdings nur mäßig repräsentative – Umfrage zum Stand der familienfreundlichen Gestaltung zeigt einen grundsätzlichen Erfolg der ergriffenen Maßnahmen.

Allerdings nicht ohne Makel: Hierzu zählen etwa die teils drastischen Unterschiede zwischen den Fakultäten, die sich die Thematik Vereinbarkeit von Studium und Familie mal mehr und mal deutlich weniger groß auf ihre Fahnen geschrieben haben. Dazu erweist es sich als eklatante Schwäche, dass Studierende mit Kind die womöglich folgenschwere Entscheidung zwischen Finanzierung oder Teilzeitstudium treffen müssen. BAföG-Bezug und Studieren in Teilzeit gehen offenbar nicht zusammen.

Da ohne Geld aber bekanntlich so gar nichts geht, treten Studenten mit Familienanhang entsprechend häufig doch ein reguläres Vollzeitstudium an. Bei allen Bemühungen und positiven Erfahrungen besteht also an manchen Stellen durchaus noch Nachholbedarf.

 

Wohin den bloß? Die Suche nach dem kinderfreundlichen Kiez

Positive Zwischenbilanz: Wer zum Arbeiten und Studieren nach Berlin kommt, findet nicht die schlechtesten Bedingungen vor, dies mit der Kindererziehung zu vereinbaren. Bleibt trotzdem die Frage: Wollen Eltern überhaupt nach Berlin?

 

Stadt oder Land?

Manchmal sieht Familienleben in der Stadt eben so aus… Foto: fotolia.com © Ingo Bartussek

Gleich vorneweg – den hinter dieser Frage stehenden Diskurs, ob es nun für das Kind besser ist, auf dem Land oder in der Stadt zu leben, wird auch dieser Beitrag nicht klären können. Will er allerdings auch gar nicht. Die Entscheidung obliegt schließlich allen Eltern ganz höchstpersönlich und es lässt sich für beide Optionen eine Fülle absolut nachvollziehbarer Argumente finden, warum das eine oder das andere im Vergleich so viel lebenswerter sein sollte.

Das wurde eingangs schon angerissen und ist am Ende doch eine persönliche Entscheidung, bei der ganz allein persönliche Beweggründe den Ausschlag geben. Da nützt alles Argumentieren wenig, denn oft kann es in diesem Zusammenhang nur darum gehen, was überhaupt möglich ist. Manchmal ist es vielleicht unvermeidlich, in der Stadt zu leben, ohne dass das als besonders erstrebenswerter Lebensentwurf aufgefasst wird. Er ist vielleicht trotzdem alternativlos.

Das ständige Für und Wider

… aber manchmal eben auch so. Foto: pixabay.com © 498813 (CC0)

Was wiederum nicht bedeutet, dass das Leben in der Stadt dadurch zwangsläufig schlecht wird. Autorin Nana Heymann zum Beispiel kann dem Umstand, ihr Kind in Berlin großzuziehen, ohne Frage positive Aspekte abgewinnen. Das Angebot an Kultur und Unterhaltung etwa, das eben nicht nur für Erwachsene da ist, sondern genauso für Kinder. Diese Reichhaltigkeit eröffnet vollkommen andere Möglichkeiten der Lebensgestaltung – und viele dieser Möglichkeiten dürften, wenn nicht direkt vor der Tür, so doch zumindest in erträglicher Nähe anzufinden sein.

Auf der anderen Seite bedeutet Stadtleben selbstverständlich auch Einschränkungen. Und Gefahren, die es auf dem Land in der Form überhaupt nicht gibt. Nicht enden wollenden Straßenverkehr etwa. Oder die damit verbundene Luftverschmutzung samt ihrer Gesundheitsrisiken. Da hilft selbst die beste medizinische Versorgung in der Nachbarschaft nur wenig.

Auch Abenteuer in der freien Natur dürften sich bestenfalls mit ordentlichen Abstrichen oder längeren Ausflügen bewerkstelligen lassen, dafür entschädigen aber in gewisser Weise Abenteuerspielplätze, die weit mehr bieten als die obligatorischen Spielgeräte. Festhalten lässt sich, um die drohende Debatte doch zu einem Ende zu führen: Es gilt in beiden Fällen, in der Stadt und auf dem Land, das Beste aus der jeweiligen Situation zu machen. Egal wie abgedroschen das klingen mag.

Stadtteile für Kinder

Der Prenzlauer Berg hat den „Sprung“ zum Familienbezirk bereits gepackt, der Kollwitz Platz ist inzwischen ein Sinnbild für den Zuzug junger Familien geworden. Foto: fotolia.com © ArTo

Dennoch – um dem gerade Gesagten gleich einmal zu widersprechen – gibt es in einer Großstadt Ecken, die besser und schlechter geeignet sind, um sie mit Kindern zu bewohnen. Es gibt sogar Ecken, für die dieselbe Aussage wahr ist, ohne dass dazu überhaupt Kiezgrenzen überschritten werden müssten.

Etwa Neukölln. Das ist schon lange kein Problembezirk mehr, sondern wandelt, ziemlich exakt entlang des Kottbusser Damms, auf dem schmalen Grat zwischen Hipster-Wohnstatt und Siedlungsplatz für Familien. Insgesamt bedeutet das sicher eine Verbesserung, auch wenn sich gerade der Norden mit sprunghaften Anstiegen der Mieten hervortut. Der Süden zieht in dieser Hinsicht bislang nicht nach, bietet dafür aber Familien alles, was Kinder so brauchen (auch wenn die in puncto Schule und Schulpflicht bisweilen vielleicht anderer Meinung sind). Was nicht zuletzt daran liegt, dass Neukölln zu den traditionell kinderreicheren Kiezen Berlins gehört.

Kritischer Faktor Kita

Die Bedingungen sind aber auch anderswo in Berlin recht vorteilhaft, gerade hinsichtlich der Betreuungs- und Ausbildungssituation. Der Tiergarten beispielsweise kann 10 Grundschulen und 71 Kindergärten vorweisen, das kann zahlenmäßig nur noch der Wedding überbieten. Wobei etwa die Anzahl der vorhandenen Kitas nicht zwingend eine optimale Betreuung nach sich zieht.

Im Gegenteil hat der Zitty-Kita-Report teilweise eklatante Mängel aufgezeigt. Auch das ist ein weites Feld, in dem mit Pauschalaussagen über die Leistungen des pädagogischen Personals niemandem wirklich geholfen ist. Vielmehr sind klare Analysen gefragt, um die Hebel an den richtigen Stellen anzusetzen: Qualitätssicherung, bundesweite Standards, bessere Personalschlüssel, größere finanzielle Anreize – es gibt viele kritische Punkte.

Familienfreundliche Kommune mitten in Berlin

Über Lichtenberger Familien strahlt die Sonne – denn sie können sich über ein Leben in einem nachweislich geprüften familienfreundlichen Bezirk freuen. Foto:  fotolia.com © Bjrn

Auf der anderen Seite gibt es natürlich auch Lichtblicke. Nicht nur hinsichtlich der Kita-Situation, sondern was die Familienfreundlichkeit im Allgemeinen anbelangt. Zum Paradebeispiel ist in den letzten Jahren Lichtenberg geworden. Sogar mit Auszeichnung. Seit zwei Jahren kann sich der Bezirk mit dem Zertifikat „Familienfreundliche Kommune“ schmücken. Das gibt es selbstredend nicht ohne Bemühungen und tatsächlich sind diese spürbar in der Entwicklung vom Rentnerviertel zum Anlaufpunkt für Familien.

Was man nicht falsch verstehen sollte: Senioren gehören wie Kinder zur Familie, auch wenn es in Lichtenberg einen Schwerpunkt beim Ausbau von Schulen und Kitas gibt. Trotzdem werden die unterschiedlichen Generationen nicht aus dem Blick verloren und Möglichkeiten für Begegnungen geschaffen. Die Bewerbung um das Zertifikat ist dabei gleichermaßen dem schon vor einigen Jahren gewachsenen Interesse an dem Bezirk geschuldet.

Die verstärkte Zuwanderung von Familien, die hier zentrumsnah günstigeren Wohnraum finden als etwa im benachbarten Friedrichshain-Kreuzberg, begann schon vor fast 10 Jahren, wovon Lichtenberg selbst profitierte. Die Auszeichnung als familienfreundliche Kommune drückt gewissermaßen dem schon real bestehenden Phänomen ein Siegel auf. Das verpflichtet natürlich, ist aber gleichzeitig ein Alleinstellungsmerkmal – jedenfalls solange andere Berliner Kieze nicht auf die Idee kommen, nachzuziehen.

 

Das Leben der anderen

Zwar lässt es sich vortrefflich über die Vorzüge und Nachteile des Berliner Familienlebens theoretisieren, aber einen wirklichen Einblick gewinnen Außenstehende dadurch erst einmal nur bedingt. Was wäre also naheliegender, als die Menschen selbst zu Wort kommen zu lassen, die sich mit den alltäglichen Problemen und Freuden des Großstadtlebens tatsächlich auseinandersetzen müssen respektive dürfen? Wobei es in modernen Zeiten kaum notwendig ist, den „Betroffenen“ das Wort zu erteilen, die machen das schon ganz alleine. Und vermitteln so einen authentischen Eindruck vom Elternsein in Berlin – und vielem mehr.

hauptstadtmutti.de – Ist sozusagen, das Wortspiel sei erlaubt, die Mutter der Mütter-Blogs und vereint eigentlich ein Kollektiv von Hauptstadtmuttis. Die präsentieren sich ganz modern, wie sich das für Bewohnerinnen einer Metropole nun einmal gehört und reduzieren sich deswegen nicht allein auf ihre Mutter-Rolle, sondern greifen alles auf, was zum Leben jeder modernen Frau dazugehört – das Themenspektrum reicht daher von Tipps für die Schwangerschaft über das Berufsleben bis hin zu Reisen, Beauty und Shopping.

familieberlin.de – Ganz alleine gestaltet Bella, die Autorin hinter dem Familieberlin-Blog, ihre Beiträge rund um das – große Überraschung – Familienleben in Berlin. Von der Idee, eine Plattform zum Austausch über die Erlebnisse als Eltern zu schaffen, ist inzwischen ein themenreicher Blog geworden, der genau diesen Austausch zu den verschiedensten Belangen, Sorgen und Aspekten eines Lebens mit Kind umfasst.

mamaskind.de – Hauptberuflich Head of SEO, „nebenberuflich“ Mutter von drei Kindern und Bloggerin. Sarah dürfte daher alle Hände voll zu tun haben, hat sie vermutlich auch und darüber schreibt sie. Als emanzipierte, moderne Frau lässt sie aber gerne mal ihren Mann zu Wort kommen und so ist der Blog über den Familienalltag und die Entwicklung der Kinder dank des Perspektivwechsels gleichermaßen für Mütter und Väter geeignet.

johnnyspapablog.de – Die umgekehrte Variante bietet Johnny alias Tobias, der wiederum in seinem Blog auch mal die Mama-Sichtweise zulässt. Die ursprüngliche Fokussierung auf Berlin – oder noch präziser: den Wedding – hat Johnny mittlerweile aufgegeben. Weil er eben nicht nur über Stadt und Kiez schreibt. Sondern über eine Vielzahl an Themen, die trotz ihres persönlichen Bezugs eben darüber hinausgehen. Wie man(n) etwa mit der Vaterrolle klarkommt, wie sich ein Kind auf das Familienleben auswirkt oder was ihm gerade so rund um Kind und Kegel einfällt.

berlinmittemom.com – Eine persönliche Angelegenheit ist ihr Blog auf für Anna, die hier über das Leben mit ihren drei Kindern schreibt, über die alltäglichen Sorgen und Nöte, aber selbstverständlich auch über die schönen Momente und Erlebnisse, die zum Familienalltag dazugehören.

Diese und viele andere Berliner Eltern beweisen – ja, in Berlin lässt es sich auch als Familie leben und die Sorgen sind nicht von denen anderer Familien verschieden, die anderswo wohnen. Sie sind in vielen Belangen wahrscheinlich nicht mal wesentlich größer als in der beschaulichen Kleinstadt. Allerdings ist der Rahmen, in dem diese Sorgen auftreten und in dem das Familienleben gestaltet werden kann, schon ein deutlich größerer.