Tragikomödie

Wilde Maus

Josef Hader zeigt uns als Autor, Regisseur und Hauptdarsteller die Absurditäten des Lebens

ZITTY-Bewertung: 5/6

„Das Tragikomische ist für mich die beste Abbildung dessen, was man Leben nennt.“ Der das sagt, kennt sich aus in Sachen Humor. Seit Jahrzehnten ist Josef Hader einer der besten Kabarettisten im deutschsprachigen Raum, hat sich aber auch im Kino als Schauspieler bewährt, vor allem als Schnüffler Brenner in den vier Verfilmungen der Krimis von Wolf Haas, zuletzt in „Das ewige Leben“ (2015). Nun hat sich der Österreicher erstmals auf den Regiestuhl begeben, nach einem eigenen Drehbuch.

Wilde Maus
Foto: Wega Film Majestic

In „Wilde Maus“ spielt Hader selbst die Rolle des Georg. Der ist Musikkritiker bei einer angesehenen Wiener Tageszeitung. Beziehungsweise war. Denn sein Chef (Jörg Hartmann) hat ihn kurzerhand vor die Tür gesetzt. Seiner Frau, der Therapeutin Johanna (Pia Hierzegger), verheimlicht Georg die Arbeitslosigkeit; die ist sowieso hauptsächlich damit beschäftigt, auf ihren nächsten Eisprung zu warten, um endlich den lang ersehnten Nachwuchs zu zeugen. Und so lässt sich Georg treiben und tut sich mit Erich (Georg Friedrich) zusammen, um im Pratergarten eine alte Achterbahn namens „Wilde Maus“ wieder in Betrieb zu nehmen. Doch was Georg wirklich will, ist Rache. Rache am Chef. Das fängt mit Lackkratzern in dessen Sportwagen an. Schließlich besorgt er sich eine Pistole.

Hinter dem Alltag eines jeden -lauert der Wahnsinn, so könnte man die Essenz dieser hintersinnigen Tragikomödie zusammenfassen. Hier kracht etwas zusammen, dort klappt etwas nicht – und schon steht ein eigentlich wohlsituierter Mann vor dem Scherbenhaufen dessen, was einmal seine Existenz war. Geschult am Können von Brenner-Regisseur Wolfgang Murnberger findet Regisseur Hader die richtige Stimmung und ein angemessen verschlepptes Timing für seine Geschichte; gleichzeitig gelingt ihm das Kunststück, diesem Kotzbrocken Georg immer auch einen Rest Sympathie mitzugeben. Und so verfolgen wir empathisch den schleichenden Amoklauf eines Menschen wie du und ich.  

A 2016, 103 Min., R: Josef Hader, D: Josef Hader, Pia Hierzegger, Jörg Hartmann, Georg Friedrich, Dennis Moschitto, Nora von Waldstätten; 13.3., 20.30 Uhr, Delphi: Josef Hader zu Gast

Wilde Maus

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