Brandenburg

Wildes Campen

Es ist stockfinster. Über dem Kanal hängt Nebel. Am Waldrand raschelt etwas, Äste knacken. Möglicherweise sucht ein Wildschwein nach Nahrung. Oder ein Förster hat das Lager entdeckt. Wobei Lager etwas hochgegriffen ist. Am Wegesrand steht ein Zelt, versteckt hinter einem Busch. Wildes Campen ist in Deutschland verboten. Doch in den Bundesländern Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg gibt es eine Ausnahmeregelung, die dem Jedermannsrecht in Schweden ähnelt. Das Gesetz kennt kaum jemand, es bietet aber die Freiheit, die Natur außerhalb von Ortschaften zu erleben. Die Ausnahme wird im Naturschutzgesetz geregelt. Wer sich darauf berufen möchte, sollte den Passus lieber auf seinem Ausflug mitnehmen.

In Paragraf 44, Absatz 4, heißt es: „Fuß-, Rad-, Reit- und Wasserwanderer dürfen abseits von Zelt- und Campingplätzen für eine Nacht Zelte aufstellen, wenn sie privatrechtlich dazu befugt sind und keine besonderen Schutzvorschriften entgegenstehen.“

Das bedeutet: Grundsätzlich ist das Zelten auf öffentlichem Land erlaubt, wenn es sich nicht um ein Naturschutzgebiet handelt. Detaillierte Karten, wo Naturschutzgebiete sind, findet man im Internet unter www.geodienste.bfn.de/schutzgebiete. Zudem lässt sich sagen: Eine Badestelle an einem See, wo der Rasen gemäht wird, ist mit großer Wahrscheinlichkeit kein Naturschutzgebiet. Allerdings verbieten viele Kommunen das Zelten an öffentlichen Badestellen, aus Angst vor feierwütigen Jugendlichen.

Aber in erster Linie übernachtet der wahre Naturliebhaber in freier Wildbahn. Er sucht nach Abenteuer und dem Gefühl der Freiheit. Wildes Zelten entspricht mehr dem ursprünglichen Zelterlebnis, der Nomadenmentalität unserer Vorfahren. Auf dem Campingplatz befindet man sich weiterhin in der modernen Zivilisation mit Strom, fließend Wasser und vielen Dauercampern.

Entlegene Orte in Brandenburg dagegen erinnern an die Abgeschiedenheit Kanadas. Das Land ist dünn besiedelt und es gibt genügend Seen, an denen abends keine Menschenseele aufkreuzt. Allerdings sollten auch dort gewisse Regeln beachtet werden. Eine Grauzone stellt beispielsweise die Zubereitung warmer Mahlzeiten dar. Offenes Feuer ist im Wald oder in dessen Nähe verboten. Hierzu zählt nicht nur das klassische Lagerfeuer, auch Gaskocher oder Feuerzeuge sind tabu. Theoretisch muss der wilde Camper also auf eine warme Mahlzeit verzichten. In der Praxis kochen oder grillen viele natürlich trotzdem. Wer seinen Campingkocher auf eine feuerfeste Unterlage stellt, beispielsweise auf einen großen Stein oder in den feuchten Sand, kann mit Wohlwollen seitens der Naturwächter rechnen. Dennoch sollte man immer die Waldbrandgefahr beachten. Auch aus Selbstschutz: Wenn es zu einem Brand kommt, wird es für den Verursacher schnell teuer. Grundsätzlich läuft man immer Gefahr, von Spaziergängern entdeckt und ermahnt zu werden. Gerade wegen der Brandgefahr sind nicht alle Anwohner über wilde Camper erfreut.

Doch wirklich Ärger gibt es selten. Im Gegenteil: Es kann auch schon mal vorkommen, dass ein Bauer morgens Brötchen bringt oder ein Angler abends Schnaps. An der Spree weisen Dörfer wie Neubrück oder Trebatsch (Landkreis Oder-Spree) sogar Campingwiesen aus. Dort dürfen Rad- oder Wasserwanderer kostenlos zelten, ohne auf gewisse Annehmlichkeiten verzichten zu müssen – also „wild light“ sozusagen. So steht in Trebatsch eine Dixi-Toilette bereit und ein Schild weist den Weg zum nächsten Bäcker. Noch mehr Freude bereitet es aber, seine eigene Stelle zu finden, eine Wiese am See etwa, und sich zu fühlen wie in der Wildnis Kanadas.

Mit dem Fahrrad zum wilden Campen

An der Spree Richtung Spreewald liegen etliche kostenlose Campingwiesen. Eingerichtet für Wasserwanderer, dürfen diese auch von Radfahrern genutzt werden. Der ausgeschilderte Spreeradweg führt von Fürstenwalde über Neubrück nach Beeskow, weiter über Trebatsch in den Spreewald. Je nach Kondition kann man auf dem Fernradweg zwei Tage der Spree folgen. Etwa alle zehn Kilometer findet sich eine Campingwiese.