Der Stammgast

Willi Schlögl

160.000 Menschen ziehen jedes Jahr nach Berlin. 71.000 davon kommen nicht aus Deutschland. Sie haben auch mal kulinarisches Heimweh. Wo sie dann essen, verraten sie in dieser Serie

Österreichisch: Den Tipp mit dem Mutzenbacher hat Willi Schlögl von Fräulein Brösel bekommen. Die heißt eigentlich Stefanie ­Drobits, brennt in Kreuzberg feine Fruchtschnäpse und kommt wie er selbst aus der Steiermark. „Wir haben mal bei uns in der Dorfdisco geschmust“, erzählt Schlögel am Ecktisch. FM4 läuft, „Teenage Kicks“ von den Undertones. „Als ich vor vier Jahren nach Berlin kam, hab ich sie gefragt, wo es etwas Gutes zu Essen gibt.“ Seither kommt er gern ins Mutzenbacher, am liebsten am Sonntagmittag zum Bratentag.

Den Wein zum Sonntagsbraten bringt er selbst mit: Willi Schlögl im MutzenbacherFoto: Saskia Uppenkamp
Den Wein zum Sonntagsbraten bringt er selbst mit: Willi Schlögl im Mutzenbacher
Foto: Saskia Uppenkamp

Willi Schlögl, Sommelier des Jahres 2014 und einer der Betreiber der legendä­ren Cordobar, hat nach fünf Tagen am Tresen selten Lust zu kochen. Also ins Mutzenbacher. Hier wird nicht nur ein Hang zur Zote kultiviert – der Laden ist nach der Dirne Josephine Mutzenbacher benannt, die holzgemütliche Hüttengaudi-Optik mit Bildern der Dame komplettiert –, sondern auch eine sehr ordentliche österreichische Küche serviert. Der Stolz von Franz Josef Steiner, der in seinem früheren Leben mal DJ auf Ibiza war, ist der hausgemachte Germknödel. Kriegt man ja sonst überall nur tiefgefroren, schimpft der Wirt des Mutzenbacher im kehligen Tirolerisch. Aber auch sein Schweinebraten überzeugt: zart, saftig und groß wie ein Ziegelstein, die Kruste so knusprig, dass es laut kracht, wenn man sie mit dem Messer durchsägt – dazu eine saftige Sauce, die den Braten mit ordentlich Kümmel anschiebt.

Wat zum Essen im MutzenbacherFoto: Saskia Uppenkamp
Wat zum Essen im Mutzenbacher
Foto: Saskia Uppenkamp

So gern Willi Schlögl auch außerhäusig isst, seinen Wein bringt er am liebsten selber mit. Ein Blau­fränkisch von Wachter-Wiesler schmeckt ihm am besten zum Braten. „Wenigstens dürfen wir selber kochen“, findet Franz Josef Steiner.

Mutzenbacher, Libauerstr. 1, Friedrichshain, S U Wahrschauer -Straße, Mo-Fr ab 18 Uhr, Sa-So ab  12 Uhr, Tel. 95 61 67 88,

www.mutzenbacher-berlin.de

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