Performative Stadtführung

Wo wir durchgehen – Dauerkolonie Berlin

Auf den Spuren der Kolonialgeschichte im Stadtbild

Performative Bustour zur Kolonialgeschichte – Foto: J. Zeller

Wer sind wir und wer wollen wir sein? Dauerkolonie Berlin oder postkoloniale Stadt, die sich ihrer historischen Schuld als Schaltzentrale der deutschen Kolonial­politik stellt? Die skandalöse Beschilderung einer Kleingartenkolonie im Berliner Wedding ist nur ein Beispiel dafür, wie Ideologie beherzter Landnahme bis heute nachwirkt.

Joshua Kwesi Aikins, Wissenschaftler und Aktivist, klärt an drei Gedenkstationen, in Wedding, am U-Bahnhof Mohrenstraße und am May-Ayim-Ufer, über die historischen Fakten auf. Man erfährt vom ersten Genozid der Geschichte, den die Deutschen 1904 an den Herero in Namibia verübten und wird eingeweiht in vielfältige Anzeichen dafür, dass die Bundesregierung sich bis heute scheut, der Perspektive der Versklavten gerecht zu werden: Die Irrungen und Wirrungen von Straßenumbenennungen im afrikanischen Viertel tragen komödiantische Züge, Übergabezeremonien geraubter Schädel in jüngster Vergangenheit sind peinliche Inszenierungen. Streite­reien um den richtigen Umgang mit erbeuteten Kunstgegenständen überschatten den Start des Humboldt-Forums. Geschichte und Zukunft gehören zusammen, das wird einmal mehr deutlich.

Die performativen Elemente der Bustour fallen gegenüber der Strahlkraft des Dokumentarischen etwas ab, insgesamt geht das Konzept der theatralischen Aufklärungsarbeit auf. Joshua Kewsi Aikens und seine MitstreiterInnen Lara-Sophie Milagro, Thandi Sebe und Jean-Phillipe Adabra haben gute Argumente in der Hand. ANNA OPEL

30.9., 7. + 13.10., 13–17 Uhr, Treffpunkt Eoto e.V., Togostr. 76, Wedding. Konzept und Idee: Joshua Kwesi Aikins / Label Noir. Mit: Jean-Philippe Adabra, Joshua Kwesi Aikins, Lara-Sophie Milagro, Thandi Sebe. Eintritt 14, erm. 8 € (nur Online)