Kino

Wonder Wheel

Da kann es auf dem Rummelplatz noch so glitzern – wenn das nicht auf das ­eigene ­Leben abfärbt, ist diese Silhouette – von Bernardo Bertoluccis Kameramann ­Vittorio Storaro in kräftigen Farben fotografiert – für die Protagonisten eher frustrierend und kontrastiert das Innere der Figuren.

Woder Wheel
Foto: Warner Bros.

Die Kellnerin Ginny (Kate Winslet) lebt in den 1950ern in einer kleinen Wohnung am Rande des legendären Vergnügungsparks Coney Island mit seinem berühmten Riesenrad, zusammen mit ihrem Mann und Ex-Alkoholiker Humpty (Jim Belushi), der ein Karussell betreibt. „Das soll schon alles gewesen sein?“, fragt sich Ginny. Da kommt der deutlich jüngere Rettungsschwimmer Mickey (Justin Timberlake fungiert hier auch als Erzähler) gerade richtig. Der macht Ginny schöne Augen, sie träumt naiv von einer gemeinsamen Zukunft.

Bewegung kommt ins Geschehen, als ­Carolina (Juno Temple), Humptys Tochter aus erster Ehe, plötzlich in der Tür steht. Er hatte sie seinerzeit verstoßen, weil sie sich einem Mafiosi an den Hals geschmissen ­hatte. Doch nun kehrt sie reumütig ­zurück, und damit nicht genug: Carolina muss sich verstecken, weil der italienische Mob ein Plauderstündchen bei der Polizei gar nicht mag. Doch als Ginny feststellen muss, dass „ihr“ Mickey ein Auge auf ­Carolina geworfen hat, sieht sie Handlungsbedarf, um ihre Utopie mit Mickey zu bewahren.

Auch wenn Woody Allen seine große Meisterschaft aus den späten 70er-Jahren nicht mehr erreicht, so liefert er doch ­zuverlässig jedes Jahr einen Spielfilm nach einem ­eigenen Skript ab, der genauso zuverlässig vor allem eines ist: ein geniales Tableau für ­große Schauspielerinnen-Leistungen.
Hier nun ist es Kate Winslet, die zu ­großer (Oscar?-)Form aufläuft, vor ihr nutzten Darstellerinnen wie Scarlett Johansson ­(„Scoop“), Cate Blanchett („Blue ­Jasmine“) oder zuletzt Kristen Stewart („Café ­Society“) Allens Faible für pointierte Dialoge und dessen Hang, den Schauspielern das Feld zu überlassen und sich mit der ­Inszenierung zurückzunehmen. Kate Winslet gibt nun hinreißend die vom Leben enttäuschte Frau, die bei diesem sich am Ende sehr zuspitzenden Melodram ihre hinterhältige Seite entdeckt. 

USA 2017, 101 Min., R: Woody Allen,  D: Kate Winslet, Jim Belushi, Juno Temple, Justin Timberlake

Wonder Wheel