Berliner Kunsthäuser

Judith Hopf ist zurück

Prägende Alltagsformen: Mit dem Umgang mit Laptops sowie Material von Hausfassaden konfrontiert die multidisziplinäre Künstlerin Judith Hopf Besucher auf ganz verschiedene Weisen

Die digitale Revolution ist längst vollzogen – der moderne Mensch bedient täglich sein Smartphone, ist oftmals von ihm abhängig. Ohne Handy das Haus zu verlassen, käme für die wenigsten in Frage. ­Diese Fügsamkeit fängt Judith Hopf in ihrer Ausstellung „Stepping Stairs“ im KW ­Institute for Contemporary Art mit ihrer Serie
„Laptop Men“ wunderbar ein.

 

Blick in die Ausstellung „Skulpturen“ von Judith Hopf in den Kunst-Werken. Foto: Frank Sperling

Blick nach drüben

Die 1969 geborene Künstlerin forderte schon in den 90er Jahren während des medialen Wandels die Emanzipation des Menschen vom Computer. Sie protestiert in ihren Werken auf ihre eigene Art und Weise – meist mit einem Augenzwinkern. In ihren eckig gebogenen Stahl-Skulpturen erkennt man abstrahierte, menschliche Körper, die einen Laptop bedienen. Der aufklappbare Computer ist allein durch eine blassere Färbung erkennbar – denn eigentlich reiht er sich so galant in die Figur ein, dass man kaum zwischen Rumpf, Kopf, Laptop oder Beinen unterscheiden kann. Der Mensch und die Maschine werden eins. Hopfs ­Cyborgs im minimalistischen Stil lassen einen schmunzeln, obwohl sie eine bittere Wahrheit enthalten. Die Positionen der ­Figuren, sei es die liegende Figur, deren ganzer Körper dem Laptop zugewandt ist, oder die Skulptur, die an der Wand lehnt und den Blick auf das aufgeschlagene Notebook richtet, kennt man nämlich nur zu gut. Durch Hopfs humorvolle Art und Weise fühlt man sich in ihrer Kritik aber nicht auf unangenehme Art und Weise ertappt. Es ist eher so, als wolle sie die Besucher sanft in die richtige Richtung stupsen.

Die Künstlerin, die auch Professorin für Bildende Kunst an der Städelschule ist, konfrontiert den Betrachter durch Videos, schriftliche Arbeiten oder ihr bildhauerisches Werk mit Widersprüchen. In der Haupthalle der KW ließ sie zum Beispiel Mauern aus Ziegelsteinen errichten. Dass die Mauern vor Ort aufeinandergeschichtet wurden und so nicht nur Kulisse, sondern während der Ausstellung ein unverrückbarer Teil des Ortes werden, ist Hopf wichtig. Sie sind gerade so hoch, dass man einen Blick auf die andere Seite werfen kann und schnell Assoziationen zu Nachbarsgesprächen aufkommen. Die isolierende und spaltende Wirkung von Mauern bleibt trotzdem bestehen.

 

Foto: Florian Zeyfang
Die Bildhaueriin und Filmemacherin Judith Hopf

100 Kilo Ball

Das Material des Ziegelsteins, das die Künstlerin ein „stadtgängerisches Moment“ nennt, findet man in der Ausstellung immer wieder. Hopf ließ sie zum Beispiel schneiden und formte aus ihnen Bälle, die luftig-leicht aussehen, aber eigentlich mehrere hundert Kilo wiegen. Auch die weibliche Form der Birne und den Zeigefinger erhebende Hände sind aus echten Ziegeln nachgestellt – die Künstlerin entwendet das Baumaterial aus Lehm und passt es an ein neues Umfeld an. Die amorphe Konnotation ist eines von Hopfs Merkmalen, welches man auch ganz zu Beginn der Ausstellung bewundern kann. Die große Fassadenarbeit „Stepping Stairs“ verwandelt den Innenhof des Instituts in ein Kunstwerk. Die blauen Markisen an der Hauswand sehen aus wie Augenlider und eine Nase. Hat man das Werk einmal als Gesicht identifiziert, kommt man von dem Gedanken nicht mehr weg. Dann rollt sich die Zunge aus Asphalt auf den Pflastersteinen wie ein roter Teppich vor einem aus und fordert zum Eintreten in das Gebäude auf. Doch zur Ausstellung geht es eigentlich nebenan.

Bis 15.4.: KW Institute for Contemporary Art, Auguststr. 69, Mitte, Mi–Mo 11–19, Do 11–21 Uhr, 8/ erm. 6 €, freier Eintritt: Do 18–21 Uhr, www.kw-berlin.de